OB Müller-Bahr zur Debatte um Solarfeld in Freiimfelde: „Unser Ziel ist eine geordnete und faire Lösung“

Oberbürgermeister Sebastian Müller-Bahr äußert sich zum geplanten Solarfeld in Freiimfelde. Der Bau ist rechtlich möglich, die Stadt will Transparenz, Bürgerbeteiligung und ein geordnetes Verfahren mit Einbindung der Anwohner und Umweltverbände.


Merseburg, 12.11.2025 Nach der teilweise hitzigen Diskussion im Bauausschuss hat sich Merseburgs Oberbürgermeister Sebastian Müller-Bahr (CDU) am Mittwoch in einem Pressegespräch erneut zur geplanten Photovoltaikanlage in Freiimfelde geäußert.

Dazu hat er den Tagesordnungspunkt zur Aufstellung eines neuen Bebauungsplans zunächst gestrichen, wie er dazu auch schriftlich mitteilt. Die Rechtslage bleibt daher aktuell unverändert. Es gäbe derzeit noch zu viele rechtliche Unklarheiten, die transparent erklärt und besprochen werden sollen, damit jeder Bürger und Bürgerin sowie die Mitglieder des Stadtrates über den gleichen Wissensstand verfügen, heißt es.

Er warb für einen sachlichen Dialog und kündigte an, den Investor EnBW zu einem persönlichen Gespräch einzuladen. Ziel sei es, die Pläne in einer öffentlichen Bürgerversammlung vorzustellen und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern nach einer transparenten und rechtssicheren Lösung zu suchen.

„Ich habe großes Verständnis für die Emotionalität, die dieses Thema auslöst“, so Müller-Bahr. „Es betrifft die direkte Lebensumgebung vieler Menschen, ihren Blick in die Landschaft und ihr Empfinden von Heimat.“ Zugleich bat er um einen sachlichen und lösungsorientierten Austausch. Nur so könne Vertrauen entstehen.

Bau des Solarfeldes rechtlich schon möglich

Wie der Oberbürgermeister erläuterte, sei der Bau des Solarfeldes auf der rund 13,5 Hektar großen Fläche bereits jetzt möglich. Der gültige Bebauungsplan aus dem Jahr 1994 lasse Photovoltaik auf dieser Fläche grundsätzlich zu. Der Antrag auf Aufstellung eines neuen Bebauungsplans sei vom Investor selbst gestellt worden, um das Projekt auf eine aktualisierte Grundlage zu stellen.

Müller-Bahr betonte, dass die Stadt sich in einer Pattsituation befinde: „Wenn der Punkt jetzt einfach gestrichen oder blockiert würde, wäre der Bau trotzdem möglich – nur eben ohne Beteiligung der Stadt.“
Eine bewusste Verzögerung oder Blockade berge die Gefahr, dass eine „ungeordnete Entwicklung durch die Hintertür“ eintrete. Ziel der Verwaltung sei es daher, das Verfahren aktiv zu gestalten, um Einfluss auf Planung, Gestaltung und Ausgleichsmaßnahmen nehmen zu können.

Nur ein Drittel der Fläche gehört der Stadt

Von der Gesamtfläche befinden sich etwa ein Drittel im Eigentum der Stadt Merseburg, der restliche Teil gehört privaten Eigentümern. Ob und zu welchen Bedingungen die privaten Flächen an den Investor verkauft werden, ist derzeit nicht bekannt. Müller-Bahr betonte jedoch, dass die Eigentümer grundsätzlich berechtigt seien, über ihre Grundstücke zu verfügen.

Die Stadt selbst wolle nicht blockieren, sondern sicherstellen, dass ökologische und städtebauliche Interessen berücksichtigt werden. Durch das geplante Bebauungsplanverfahren könnten auch Fachverbände wie der NABU, die Verwaltung sowie die Bürgerinnen und Bürger offiziell beteiligt werden. „Das Überplanen ist in diesem Fall die beste Option, weil dann alle mitreden können“, erklärte der Oberbürgermeister.

Investor soll Pläne in Bürgerversammlung vorstellen

Die Stadtverwaltung wird den Investor EnBW in den kommenden Tagen zu einem Gespräch einladen. Dabei soll um eine öffentliche Vorstellung der Pläne in einer Bürgerversammlung gebeten werden. „Es ist richtig, dass die Pläne offen vorgestellt werden und die Meinungen und Anregungen der Anwohnerschaft aufgenommen werden“, betonte Müller-Bahr.

Viele Bürgerinnen und Bürger hatten in der Bauausschusssitzung am Dienstagabend Kritik geäußert und den Verlust landwirtschaftlicher Fläche sowie fehlende Information bemängelt. Auch Zwischenrufe wie „Das ist ja wie in der DDR“ zeigten, wie emotional das Thema in der Bevölkerung diskutiert wird.

OB plädiert für sachlichen Austausch

Der Oberbürgermeister warb abschließend für einen konstruktiven Umgang miteinander.
„Unser Ziel ist eine geordnete, rechtssichere und faire Lösung – im Interesse der Anwohnerinnen und Anwohner, der Umwelt und der gesamten Stadt Merseburg“, sagte Müller-Bahr.
Er dankte zugleich allen, die sich mit Engagement, Verantwortungsbewusstsein und Sachlichkeit einbringen: „Nur gemeinsam mit dem Stadtrat, den Bürgerinnen und Bürgern und allen Beteiligten können wir eine Lösung finden, die rechtlich Bestand hat und dem Wohl der Stadt dient.“

Foto: OB – Müller Bahr

Enrico Sempert

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