Auf dem früheren Rewe-Parkplatz in der Christianenstraße stehen immer mehr Schrottautos, dazu kommt Müll, die Stadt weiß das. Ob und wann dort der seit über einem Jahr geplante nah & gut-Markt entsteht, bleibt trotz zweier Anfragen bei EDEKA weiter offen, nur so viel ist jetzt klar, die Tektur ist eingereicht.
Wer in diesen Wochen durch die Christianenstraße fährt, kommt an der Fläche des früheren Rewe-Markts kaum vorbei, ohne hinzusehen. Dort stehen immer mehr Schrottautos, dazwischen liegt Müll, den offenbar niemand mehr wegräumt. Ich habe mir die Fläche in den vergangenen Wochen mehrfach angesehen und mit Fotos dokumentiert, nach meinem Eindruck wurde es von Besuch zu Besuch mehr. Auch augenscheinlich noch angemeldete Schrottautos stehen dort. Fahrbereit sind diese allerdings nicht.
Die Stadt kennt den Eigentümer, nennt ihn aber nicht
Auf meine Anfrage bestätigte die Stadt Merseburg, dass ihr die abgestellten Fahrzeuge und die Müllablagerung bekannt seien. Zu den Fahrzeugen habe es bereits vereinzelte Hinweise gegeben. Wer das Grundstück besitzt, wisse die Verwaltung ebenfalls, Auskunft dazu gebe sie jedoch nicht.
Rechtlich habe die Stadt ohnehin kaum Mittel in der Hand. „Grundsätzlich gilt, dass der Privatgrund genutzt werden kann, wie es derjenige wünscht – solange davon keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht”, heißt es aus der Verwaltung. Solange es nur hässlich aussehe, gebe es keine Möglichkeit, den Eigentümer zur Beseitigung zu verpflichten. Eingreifen könne die Stadt als Gefahrenabwehrbehörde erst, wenn von den Fahrzeugen oder dem Müll eine konkrete Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgehe, für alles Weitere, etwa Fragen des Abfall- oder Baurechts, verwies die Verwaltung auf den Landkreis oder den Eigentümer selbst. Ob die informelle Nutzung der Fläche als Parkplatz künftig offiziell geregelt werden solle, dazu konnte die zuständige Stelle im Ordnungsamt keine Angaben machen.
Seit über einem Jahr ist von einem nah & gut die Rede
Dass auf der Fläche einmal mehr entstehen soll als eine wilde Abstellfläche, ist in Merseburg schon länger bekannt. Bereits im Oktober 2025 hieß es, der Lebensmittelkonzern EDEKA halte über seine Tochtermarke nah & gut an der Ansiedlung eines Marktes in der Christianenstraße fest, die sogenannte Tektur, eine nachträgliche Änderung der ursprünglichen Baugenehmigung, werde vorbereitet. Im Februar fragte ich deshalb bei EDEKA nach, ob die Unterlagen inzwischen eingereicht seien und wie der Zeitplan aussehe. Eine inhaltliche Antwort blieb aus, aus der Unternehmenskommunikation hieß es nur, man könne derzeit keine neuen Informationen zum Standort geben.
Die Tektur ist eingereicht, mehr sagt EDEKA nicht
Gut sieben Monate nach meiner ersten Anfrage, und nachdem sich die Schrottautos und der Müll auf der Fläche weiter angesammelt hatten, fragte ich erneut nach, dieses Mal mit Blick auf beide Themen zusammen. EDEKA Minden-Hannover, nach eigener Auskunft die für den Standort zuständige Regionalgesellschaft, teilte daraufhin mit, der Eigentümer habe das Unternehmen darüber informiert, dass die Tektur eingereicht worden sei. Weitere Angaben, etwa zu einem Zeitplan oder dazu, ob EDEKA selbst inzwischen Eigentümer der Fläche ist, machte das Unternehmen nicht. Auch auf den angesprochenen Missstand mit den Schrottautos und dem Müll sowie auf die Frage, ob der Eigentümer eine Sicherung beziehungsweise Umzäunung der Fläche beabsichtigt, gab es keine Antwort.
Dass EDEKA ausgerechnet von „dem Eigentümer” als eigenständiger Partei spricht, die das Unternehmen informiert, lässt vermuten, dass die Fläche weiterhin jemand anderem gehört als dem Handelskonzern selbst. Wer das genau ist, verraten weder die Stadt noch EDEKA. Die Stadtverwaltung bestätigte auf Nachfrage lediglich, es sei ihr vom Eigentümer nichts Gegenteiliges zu den seit Langem bekannten nah & gut-Plänen mitgeteilt worden.
Weder Zeitplan noch Eigentümer sind bekannt
Für Anwohner der Christianenstraße und Umgebung ändert sich dadurch vorerst nichts, die Fläche bleibt wie sie ist. Ob und wann dort tatsächlich gebaut wird, bleibt ebenso offen wie die Frage, wer die wachsende Zahl an Schrottautos irgendwann abholen lässt. Warum man seitens Edeka aus einem Nahversorgerprojekt so ein Geheimnis macht, ist schwer nachvollziehbar. Schließlich hoffen die Anwohner der Umgebung immer noch darauf, einen Nahversorger in unmittelbarer Nähe zu haben.
