Nordteil des Geiseltalsees freigegeben – Kitesurfen jetzt erlaubt

Foto (vlnr): Steffen Schmitz, Bürgermeister Braunsbedra (2.v.l.); Andreas Marggraf, Bürgermeister Mücheln; Hartmut Handschak, Landrat Landkreis Saalekreis; Elke Kreische-König, Sanierungsbereichsleiterin Mitteldeutschland bei der LMBV Lausitzer und Mitteldeutsche, Bergbau- und Verwaltungsgesellschaft mbH und Christian Runkel, Bürgermeister Bad Lauchstädt. © Landkreis Saalekreis


Mit einem symbolischen Bandschnitt haben Landrat und Anrainerbürgermeister den Nordteil des Geiseltalsees freigegeben. Erstmals ist auf dem See nun Kitesurfen erlaubt – und die PS-Grenze für Boote fällt.


Mücheln, 22. Mai 2026 – Der Nordteil des Geiseltalsees ist freigegeben. Bei einer Feierstunde durchschnitten Landrat Hartmut Handschak und Elke Kreische-König, Sanierungsbereichsleiterin Mitteldeutschland bei der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau- und Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV), gemeinsam mit drei Anrainerbürgermeistern ein symbolisches Band: Andreas Marggraf aus Mücheln, Steffen Schmitz aus Braunsbedra und Christian Runkel aus Bad Lauchstädt. Damit steht der gesamte See für Wassersport und Tourismus offen.

Die neue Allgemeinverfügung bringt mehr als nur die Wassernutzung im Norden. Erstmals ist auf dem Geiseltalsee Kitesurfen erlaubt. Außerdem fällt die bisherige PS-Beschränkung für Boote – die zulässige Höchstgeschwindigkeit bleibt allerdings bestehen.

Vom Tagebau zum Freizeitsee

Wo heute Wassersportler unterwegs sind, lag über 300 Jahre lang ein Braunkohlerevier. 1993 endete der Tagebau, danach wurde das Areal renaturiert und bis 2011 geflutet. Die Freigabe des Sees verlief in Etappen: Sie begann 2012 an der Marina Mücheln, reichte 2014 bis nach Frankleben und 2017 bis zum zweiten Hafen in Braunsbedra. Den Nordteil prüfte der Landkreis seit 2019 – in enger Abstimmung mit den Anrainerkommunen, der Naturschutzbehörde und der LMBV.

Heute ziehen die Gäste statt der Bagger an den See. Mit 8,4 Quadratkilometern Fläche und etwa 41 Kilometern Uferlinie ist der Geiseltalsee einer der größten künstlich entstandenen Seen Deutschlands und eine der gefragtesten Freizeitregionen Sachsen-Anhalts. Rund ums Wasser sind Ferienanlagen und Campingplätze gewachsen, die jedes Jahr mehr Besucher zählen – viele davon von außerhalb des Landes. Segler und Bootsfahrer nutzen die gut belegten Marinas in Mücheln und Braunsbedra, Radfahrer und Wanderer die Uferwege. Selbst Wein gedeiht hier: Am rekultivierten „Goldenen Steiger“ wachsen Müller-Thurgau und Portugieser.

Heimat für Vögel, Bienen und Orchideen

Was Erholungssuchende schätzen, ist zugleich ein Refugium für seltene Arten. Ein Naturschutzgebiet zieht sich rund um den See und bietet besonders rastenden Zugvögeln Schutz – Blässgänse und Tafelenten machen hier Station. Am Wasser tummeln sich Kormorane, Steppenmöwen und Bienenfresser, dazu Ringelnatter und Laubfrosch. Wie reich der Ort an Insekten ist, zeigen über 30 Libellen- und 120 Wildbienenarten; die Furchenbiene wurde am Geiseltalsee sogar zum ersten Mal in Deutschland überhaupt entdeckt. Bei den Pflanzen reicht die Bandbreite vom Deutschen Alant über die Büschel-Nelke bis zu vierzehn Orchideenarten und acht Armleuchteralgen. Eine Rarität ist die Acker-Spatzenzunge – sie wächst landesweit nur hier.

Landrat Handschak erinnerte in seinem Grußwort an die Anfänge: „Als 1993 die letzte Braunkohle von einem Kohlezug gefördert wurde, konnte sich noch keiner vorstellen, welches Kleinod hier einmal entstehen wird. Der Geiseltalsee ist ein Ort der Erholung und des Genusses geworden – an den Uferpromenaden ein Treffpunkt für Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer oder am und im Wasser für die zahlreichen Wassersportler, aber auch im Naturschutzgebiet eine Heimat für viele Pflanzen und Tiere. Wir gehen heute einen weiteren wichtigen Schritt für die Strukturentwicklung der Region, immer mit dem Blick Wirtschaft und Naturschutz in Einklang zu bringen. Denn beides bereichert unsere Region.“

Enrico Sempert

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