Landratswahlen im Saalekreis

Foto: Eine Aufnahme von Merseburg Mitifotodeposit/ depositphotos


Unser Kolumnist Alfred Frei kommentiert heute die vergangene Landratswahl im Saalekreis.


Das ist noch einmal gut gegangen. Der Nahverkehrsexperte und Landtagsabgeordnete Sven Czekalla (CDU) setzte sich im 2. Wahlgang gegen den AfD-Kandidaten durch – unterstützt von allen demokratischen Parteien.

Im 1. Wahlgang lag der AfD-Kandidat Uwe Arendt, bekannt als „DJ Eddy“, noch vorn. Der 2. Wahlgang sah anders aus: Czekalla setzte sich mit 54,3 % der Stimmen durch – gegen 45,7 % für Arendt. Czekalla hat sich vor allem in Fragen moderner Verkehrsinfrastruktur profiliert. So erarbeitete er für die Stadt Merseburg die Kampagne „Die Kurve kriegen“ für den Anschluss von Merseburg an die S-Bahn Leipzig-Halle, setzt sich für den Radschnellweg von Merseburg an den Geiseltalsee ein und tritt mit Erfolg für die direkte Zugverbindung von Querfurt und dem Geiseltalsee bis nach Halle ein.

Der 43jährige Czekalla warb im ersten Wahlgang mit dem gutgemeinten, aber etwas rätselhaften Motto „Wir sind EIN Saalekreis“. Vor dem 2. Wahlgang stand dann auf dem Plakat „Mit Kompetenz und Charakter“ – wesentlich einleuchtender.

Der AfD-Kandidat Arendt wirkte auf der von einem Schwurbel-TV übertragenen Wahlfete relativ rational. Unvorstellbar aber, dass solche Sender bei einem Landtagswahlsieg der AfD den MDR, das ZDF und den Deutschlandfunk ersetzen sollen …

Zwar hat Arendt einem Disziplinarverfahren getrotzt, dass gegen ihn wegen seiner angeblichen Äußerung über „Kanaken“ in einer internen Polizeibesprechung lief.

Aber derartige Äußerungen zur Migration scheinen ihn wählbar für viele zu machen. „Aufenthalt ist Gastrecht auf Zeit“, hieß es in Uwe Arendts Wahlprogramm.

Dabei ist Merseburg seit über 7.000 Jahren von Zuwanderung und Abwanderung geprägt. In der frühen Neuzeit vom 16. bis 18. Jahrhundert waren in großen Gewerbezentren wie Nürnberg oder Augsburg 70 – 90 Prozent der Handwerksmeister zugewandert.

Auch heute gehen die Bundesländer mit einer hohen Zuwanderungsquote wie Hessen, Baden-Württemberg oder Bayern am besten mit wirtschaftlichen Herausforderungen um. Am schlechtesten können dies offenbar Bundesländer mit einer niedrigeren Zuwanderung wie beispielsweise Sachsen-Anhalt. Ein AfD-Wahlsieg im Herbst würde die Zuwanderung von dringend benötigten Arbeitskräften beispielsweise in der Pflege oder in der Industrie noch weiter absenken.

Sven Czekalla weiß das. Insofern bin ich froh über seinen Wahlsieg – und dass Uwe Arendt „DJ Eddy“ bleibt.

Ich bin neugierig auf Ihre Meinung zu dieser Frage? In der nächsten Kolumne spreche ich über die Zuwanderung in den Teilstaaten der Europäischen Union. Sie werden sich wundern!


Unser Kolumnist Alfred Frei war langjähriger Kulturhistoriker an der Hochschule Merseburg. Er lebt am Geiseltalsee und in Marseille.

Enrico Sempert

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