Heute Nacht wird’s kürzer – Uhren auf Sommerzeit umstellen

Foto: Fotomontage der Zeitumstellung © Maik Schwertle/pixelio


Eine Stunde weniger Schlaf, ein ewiger Streit: Heute Nacht werden auch in Merseburg die Uhren vorgestellt – und die Frage, ob das noch zeitgemäß ist, bleibt so ungeklärt wie eh und je.


Merseburg, 28.03.2026 – Eine Stunde weniger Schlaf: In der Nacht von heute Samstag auf Sonntag werden die Uhren auf Sommerzeit umgestellt. Um 2:00 Uhr springt die Uhr automatisch auf 3:00 Uhr vor. Wer das vergisst, könnte morgen früh zu spät zum Frühstück – oder zum Osterspaziergang – erscheinen.

Warum drehen wir überhaupt an der Uhr?

Die Idee hinter der Zeitumstellung ist simpel: Das Tageslicht soll besser genutzt werden. Wenn es abends länger hell bleibt, so die ursprüngliche Logik, wird weniger Strom für Beleuchtung verbraucht. Eingeführt wurde die Sommerzeit in Deutschland erstmals im Ersten Weltkrieg – aus Gründen der Energieeinsparung. Nach wechselvoller Geschichte war sie lange abgeschafft, bis die Ölkrise der 1970er Jahre Europa zum Umdenken zwang. Die drastisch gestiegenen Energiepreise machten das Thema wieder aktuell – 1980 wurde die Sommerzeit in Deutschland (damals noch in Ost- und West) neu eingeführt und gilt seitdem jedes Jahr von Ende März bis Ende Oktober.

Sinn oder Unsinn – die Debatte ist alt

Was einst nach einer cleveren Idee klang, hat sich in der Praxis als umstritten erwiesen. Studien zeigen, dass die erhofften Energieeinsparungen kaum messbar sind. Das Büro für Technik-Abschätzung beim Deutschen Bundestag kam in seinem Bericht „Bilanz der Sommerzeit“ aus dem Jahr 2016 zu dem Ergebnis, dass Einsparungen beim nationalen Stromverbrauch bei lediglich -0,9 bis 1 Prozent liegen – und damit praktisch zu vernachlässigen sind. In manchen Regionen steigt der Verbrauch sogar, weil morgens mehr geheizt wird und sich die Effekte gegenseitig aufheben.

Auch beim Thema Gesundheit gehen die Meinungen auseinander. Während einige Studien in den Tagen nach der Umstellung einen leichten Anstieg bei Herzinfarkten und Verkehrsunfällen beobachten, sehen Experten die Zeitumstellung insgesamt weniger dramatisch. Der menschliche Körper gilt als anpassungsfähig – wer tagsüber viel Bewegung an der frischen Luft einplant, hilft seiner inneren Uhr auf die Sprünge. Schlafprobleme, die über die Umstellung hinaus andauern, haben meist tiefere Ursachen und hängen selten allein am Zeigerwechsel.

Europa wollte abschaffen – und zögert bis heute

2018 leitete die EU-Kommission eine europaweite Umfrage ein – mit eindeutigem Ergebnis: Rund 84 Prozent der Befragten sprachen sich für die Abschaffung aus. Im März 2019 stimmte das Europäische Parlament dafür. Seitdem liegt der Ball bei den Mitgliedstaaten selbst – denn die EU-Kommission hat klargestellt, dass jedes Land selbst entscheiden darf, welche Zeit es dauerhaft beibehält. Das eigentliche Problem: Die Staaten sind sich untereinander nicht einig. Östliche Länder tendieren zur dauerhaften Sommerzeit, westliche eher zur Winterzeit. Ein Flickenteppich verschiedener Zeitzonen quer durch Europa soll aber unbedingt vermieden werden denn das wäre ein Albtraum für Reisende, Unternehmen und den Bahnverkehr. Und so dreht sich die Debatte seit Jahren im Kreis.

Die gute Nachricht

Im Herbst gibt es die Stunde zurück. Und bis dahin dürfen sich alle über längere Abende, späte Sonnenuntergänge und mehr Zeit im Freien freuen. Vielleicht ist das am Ende ja doch kein schlechter Tausch.

Enrico Sempert

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