Foto: Sven Czekalla und Uwe Arendt offizielle Pressefotos Collage © Enrico Sempert
Am Sonntag entscheidet sich, wer neuer Landrat im Saalekreis wird. Uwe Arendt von der AfD und Sven Czekalla von der CDU gehen in die Stichwahl. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet.
Merseburg, 26. Juni 2026 – Am Sonntag um acht Uhr öffnen im Saalekreis die Wahllokale zur Stichwahl ums Landratsamt. Übrig sind zwei Bewerber: Uwe Arendt (AfD) und Sven Czekalla (CDU). Wer gewinnt, zieht am 1. November ins Landratsbüro im Merseburger Schloss ein. Der parteilose Amtsinhaber Hartmut Handschak hört zum 31. Oktober auf.
Knapp 5.000 Stimmen Vorsprung – aber keine absolute Mehrheit
Im ersten Wahlgang am 7. Juni lag Arendt deutlich vorn. Der Kriminalhauptkommissar aus Merseburg bekam 32.453 Stimmen, 43,26 Prozent. Czekalla, Landtagsabgeordneter aus Krumpa bei Braunsbedra, kam auf 27.480 Stimmen – 36,63 Prozent. Knapp 5.000 Stimmen fehlten Arendt zur absoluten Mehrheit.
Kerstin Eisenreich (Die Linke) holte 13,17 Prozent, der Einzelbewerber Lars Zaruba 6,94 Prozent. Wählen gingen 49,3 Prozent der 153.450 Wahlberechtigten – deutlich mehr als 2019, als nicht einmal jeder Dritte zur Urne gegangen war. Das amtliche Endergebnis stand am 9. Juni fest. An den Prozentwerten änderte sich dabei nichts.
Polizist gegen Volkswirt
Arendt ist 59, verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Merseburg. Beruflich arbeitet er als Kriminalhauptkommissar in Halle. Seit 2024 sitzt er für die AfD im Merseburger Stadtrat und im Kreistag. Im Wahlkampf warb er für mehr Sicherheit, für Familienpolitik und für den Erhalt des Carl-von-Basedow-Klinikums. Auch die Chemiestandorte rund um Leuna und Schkopau zogen sich durch seine Auftritte.
Czekalla, Jahrgang 1983, stammt aus Krumpa bei Braunsbedra am Geiseltalsee. Er gehört dem Landtag von Sachsen-Anhalt an, vertritt dort den Wahlkreis Merseburg und ist seit Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Krumpa. Im Mai 2025 setzte er sich auf dem CDU-Kreisparteitag in Leuna gegen den Bad Dürrenberger Bürgermeister Christoph Schulze durch. „Wir sind EIN Saalekreis“ lautete sein Wahlkampfmotto. Inhaltlich warb er für eine bessere Wirtschaftsförderung und eine digitalere Verwaltung. Stadt und Land im Kreis sollten aus seiner Sicht enger zusammenrücken.
Wahlempfehlungen für Czekalla
Linke und Grüne im Saalekreis haben sich vor der Stichwahl hinter Czekalla gestellt. Beide Parteien riefen mehr oder weniger zur Wahl des CDU-Mannes auf – aus ihrer Sicht sei er die einzige demokratische Option. Eisenreich selbst hatte am Abend des ersten Wahlgangs noch keine Empfehlung abgeben wollen und auf interne Beratungen verwiesen. Wie viele Wähler von Eisenreich und Zaruba am Sonntag erneut an die Urne gehen – und für wen sie stimmen –, dürfte am Ende den Ausschlag geben.
Disziplinarverfahren begleitet den Wahlkampf
Gegen Arendt läuft ein Disziplinarverfahren. Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete, der Polizist habe von Ende Juli 2025 bis Mitte April dieses Jahres während einer Krankschreibung Wahlkampftermine wahrgenommen, an Kreistagssitzungen teilgenommen und unter dem Namen „DJ Eddy“ aufgelegt. Die Polizei bestätigte das Verfahren, ging aber vorerst nicht ins Detail.
Später äußerte sich Uwe Arendt in einem Instagram-Video zu den Vorwürfen und bestätigte eine frühere Krankschreibung aufgrund einer Bandscheiben-OP. Insgesamt weist Arendt die Vorwürfe jedoch zurück.
Bundesweite Aufmerksamkeit
Der Wahltag im Saalekreis wird auch außerhalb der Region genau verfolgt. Sollte Arendt gewinnen, wäre er der erste AfD-Landrat in Sachsen-Anhalt. Bundesweit hatte die AfD 2023 mit Robert Sesselmann im thüringischen Landkreis Sonneberg erstmals ein Landratsamt geholt. Wenige Monate vor der Landtagswahl im September wird das Ergebnis aus dem Saalekreis in vielen Parteizentralen aufmerksam wahrgenommen. Wirtschaftlich hängt viel an der Chemie rund um Leuna und Schkopau.
Daneben warten auf den neuen Landrat der Strukturwandel, die schwächer werdende ärztliche Versorgung auf dem Land und die Zukunft des kommunalen Klinikums in Merseburg und Querfurt.
Was am Sonntag zu beachten ist
Die Wahllokale im Saalekreis sind am 28. Juni von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Wo gewählt wird, steht auf der Wahlbenachrichtigung aus dem ersten Wahlgang – sie gilt auch für die Stichwahl. Wer den ausgefüllten Wahlbrief noch nicht abgeschickt hat, kann ihn bis Sonntag, 18 Uhr, persönlich bei seiner Gemeinde abgeben.
Erste Ergebnisse werden am Sonntagabend nach Schließung der Wahllokale erwartet. Das amtliche Endergebnis stellt der Kreiswahlausschuss in den Tagen danach fest.





