„Mererlebniswelt“ nahe Sixti-Ruine: Spielpark für 849.000 Euro – Bauausschuss berät Pläne

Foto: Sixtiruine in Merseburg © PantherMediaSeller/depositphotos.


Eine barrierefreie Spiellandschaft mit Stadtbalkon und dem Raben als Symbol: Den Vorentwurf für die „Mererlebniswelt“ zwischen Weißenfelser und Sixtistraße hat die Stadt im Bauausschuss vorgestellt. Für Diskussionen sorgte das Vorgehen beim neuen Bauturbo.


Merseburg, 19. Juni 2026 – Der Bauausschuss hat am Dienstag, dem 9. Juni, einen dichten Themenblock abgearbeitet: den Vorentwurf für die „Mererlebniswelt“, die neue Rechtsgrundlage für beschleunigte Bauverfahren und die Neuausrichtung des Merseburger Innovations- und Technologiezentrums (MITZ). Daneben standen kleinere Punkte auf der Tagesordnung – von der gekündigten Kegelhalle bis zu Schlaglöchern im Erlenweg.

„Mererlebniswelt“ nahe der Sixti-Ruine: barrierefrei, mit Stadtbalkon und Rabe

Den Vorentwurf für die „Mererlebniswelt“ wurde den Ausschussmitgliedern per Folien und Vortrag präsentiert. Geplant ist eine Spiellandschaft auf dem Areal zwischen Weißenfelser und Sixtistraße. Park- und Spielplatzebene sollen zu einem gemeinsamen Spielpark verschmelzen, die Topografie des Geländes bleibt erhalten und wird gezielt einbezogen. Barrierefreiheit und Inklusion gelten als Grundanspruch. Spielangebote sind für zwei Altersgruppen vorgesehen: null bis fünf und sechs bis zwölf Jahre.

Inhaltlich knüpfen die Planer an die Stadtgeschichte an. Aufgegriffen wird ein Wasserbezug zur Saale, zu der vom Gotthardteich aus ein abschnittsweise verrohrter Wasserlauf führt, sowie der Rabe als städtisches Symboltier. Auch eine große Kletterstruktur gehört zum Konzept.

Von den derzeit zwei Treppenabgängen entfällt einer, weil er nicht mehr nötig ist. An der Sixtistraße entsteht stattdessen eine Rampe. Geplant sind außerdem ein Stadtbalkon mit Überdachung und Blick zur Stadtkirche St. Maximi sowie ein kleiner Bolzplatz – ausdrücklich ohne Basketballkorb. Bänke und Mülleimer sind eingeplant. Auch Regenwassermanagement und Klimaresilienz spielen im Entwurf eine Rolle.

Die Baukosten beziffert die Verwaltung auf 849.355,36 Euro – ohne Rampe und Pergola. Ob das Gelände künftig mit Kameras überwacht wird, ist noch offen; die Diskussion dazu läuft.

Südpark wird attraktiver – Parken soll kostenpflichtig werden

Unabhängig vom Innenstadt-Projekt rechnet die Verwaltung aufgrund der Erneuerungen im Südpark, mit wachsendem Andrang. Die vorhandenen Parkflächen werden auf Dauer voraussichtlich nicht ausreichen, daher soll die ÖPNV-Anbindung stärker eingebunden werden. Diese gilt als verbesserungswürdig. Eine eigene Haltestelle direkt am Park gibt es bisher nicht, die nächstgelegene Haltestelle liegt an der Naumburger Straße. Von dort muss man zum Südpark noch ein gutes Stück Fußweg auf sich nehmen.

Auf dem Parkplatz sollen künftig auch Parkautomaten Gebühren einziehen. Der Park selbst bleibt jedoch kostenfrei zugänglich. Gute Nachrichten gab es für zwei weitere Bausteine im Südpark: Der Fördermittelbescheid für das grüne Klassenzimmer und die Freilichtbühne liegt vor.

Bauturbo nach Paragraf 36a: Drießen wirbt für Kriterienkatalog, Eichelmann sieht „graue Haare“

Für Diskussionen sorgte das Vorgehen beim sogenannten Bauturbo nach Paragraf 36a Baugesetzbuch. Die neue Rechtsgrundlage erlaubt beschleunigte Genehmigungsverfahren – ausschließlich für Wohnbauvorhaben. Drei Monate hat die Stadt jeweils Zeit, andernfalls greift die Genehmigungsfiktion und das Vorhaben gilt als genehmigt. Vier Anträge nach Paragraf 36a sind bislang eingegangen.

Weil bundesweit Erfahrungswerte fehlen und Langzeitwirkungen nicht absehbar sind, schlägt das Stadtentwicklungsamt unter seinem Leiter Felix Drießen eine Testphase mit einem Kriterienkatalog vor. Grundvoraussetzungen sollen sein: Art des Vorhabens, gesicherte Erschließung, öffentliche Belange, nachbarliche Interessen und Übereinstimmung mit dem Flächennutzungsplan. Weiterführend kämen die Lage im Innenbereich, das Maß der baulichen Nutzung, die Gebäudehöhe und die organische Siedlungsstruktur hinzu. Ohne klare Steuerung drohten uneinheitliche Entscheidungen, städtebauliche Fehlentwicklungen und Nutzungskonflikte, warnte Drießen. Zum Jahresende 2026 soll die Praxis evaluiert, im Stadtentwicklungsausschuss und im Stadtrat diskutiert und anschließend ein Grundsatzbeschluss gefasst werden.

Stadtrat Moritz Eichelmann (FDP) hielt das Verfahren für zu bürokratisch. Wo dabei Bürokratie abgebaut werde, frage er sich – das Ganze habe ihm bereits jetzt drei graue Haare mehr beschert. Ausschussvorsitzender Kreisel (CDU) widersprach: Klare Kriterien seien sinnvoll, um das bauliche Stadtbild zu erhalten und steuernd eingreifen zu können.

MITZ stellt sich neu auf – „Merseburger Ecke“ und Schaufenster in der Innenstadt

Geschäftsführer Kevin Löber vom Merseburger Innovations- und Technologiezentrum (MITZ) erläuterte im Ausschuss die Neuausrichtung. Künftig soll das MITZ vier Geschäftsfelder bedienen: Standortmarketing, Gründungsservice, Unternehmensservice und Unternehmensnachfolge. Zur laufenden Arbeit gehörten unter anderem Unternehmensbesuche gemeinsam mit dem Oberbürgermeister, Fördermittelberatung und Unterstützung bei Themen wie Fachkräftegewinnung oder Standortverlagerung. Hinzu komme das Gewerbeflächenmanagement.

Für die Jahre 2026 und 2027 sind mehrere Schwerpunkte vorgesehen. Mit der Marke „Merseburger Ecke“ will man Fachkräfte, Gründer und Investoren gewinnen. In der Innenstadt soll ein „Schaufenster“ für Wirtschaft, Innovation und regionale Projekte entstehen, dazu moderne Arbeitsräume und -formen. Geplant sind außerdem eine intensivere Betreuung von Unternehmen bei Wachstum, Transformation und Fördermittelzugang, eine strukturierte Nachfolgebegleitung zur Sicherung von Arbeitsplätzen sowie die Digitalisierung der Serviceangebote für Unternehmen und Gründer. Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunen sollen enger vernetzt werden.

Als übergeordnetes Ziel hält das MITZ in seiner Präsentation fest: keine zusätzliche Struktur, sondern eine Bündelung bestehender Kompetenzen zu einer leistungsfähigen modernen Wirtschaftsförderung für die „Merseburger Ecke“.

Für Gründerinnen und Gründer plant das MITZ ein kostenfreies Paket mit KI-Tools, die bei Förderanträgen, Marktrecherche und Konkurrenzanalyse helfen sollen. Eine persönliche Beratung ersetzten diese Werkzeuge ausdrücklich nicht, betonte Löber.

Kegelhalle, Brunnen, Erlenweg

Die Kegelhalle ist zum Jahresende gekündigt. Über Sanierungskosten und mögliche Alternativen – darunter das Kegelparadies – sollte der Finanzausschuss am 18. Juni informieren. Nach Einschätzung von Ulrike Findeisen aus der Verwaltung fallen erhebliche Kosten an. Was der Verein langfristig vorhabe, müsse zunächst im Gespräch geklärt werden; der Finanzausschuss wollte sich das Kegelparadies vor Ort ansehen.

Stadtrat Thomas Merk (CDU) verwies auf den Zustand des Erlenwegs: Die Straße sei stark beschädigt und kaum noch befahrbar. Er bat die Stadt um eine Begutachtung.

Termine: Spendenübergabe mit Henry Maske

Am 8. August um 10.45 Uhr ist auf der Merseburger Radrennbahn eine Spendenübergabe zugunsten krebskranker Kinder geplant. Auch der frühere Boxweltmeister Henry Maske wird erwartet, der sich seit Jahren bei Benefizaktionen für betroffene Kinder engagiert.

Enrico Sempert

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