Erddepot bei Merseburg soll zum Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle gehören

Foto: Symbolfoto Band einer Polizeiabsperrung © servickuz/depositphotos


Ein Loch im Gestrüpp, abgedeckt mit einer Platte, an einer Saalebrücke in einem abgelegenen Merseburger Stadtteil. Dort sollen Ermittler ein Erddepot gefunden haben, das zum Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle gehört. Bestätigt hat den Fund bisher keine Behörde.


In einer abgelegenen Gegend in Merseburg sollen Ermittler an einer Saalebrücke ein Erdversteck gefunden haben, das mit dem versuchten Drohnenanschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle zusammenhängt. Das berichtet die Wochenzeitung „Zeit“ nach eigenen Recherchen für einen Podcast. Eine Behörde hat den Fund bislang nicht bestätigt.

Nach der Darstellung der Zeitung führten die Bewegungsdaten eines Mietwagens die Fahnder an die Stelle. Das Fahrzeug habe an einem Abend rund zwei Stunden an der Saale gestanden. Daraufhin hätten die Beamten die abgeschiedene Gegend gezielt abgesucht und ein Loch im Gestrüpp entdeckt, abgedeckt mit einer Platte. Darin sollen Sprengstoff und Drohnenteile gelagert worden sein. Gesichert wurden dem Bericht zufolge noch Reste eines Kabels. Der Ort sei bewusst ausgewählt und vorher ausgespäht worden.

Die Bundesanwaltschaft führt das Verfahren seit dem 6. August

Am Abend des 4. August sollte auf dem Flughafengelände eine Drohne eine Explosion auslösen. Sie war nach Angaben des Generalbundesanwalts mit professionellem Sprengstoff und einem Zünder bestückt, die Ladung ging jedoch nicht hoch. Eine Frachtmaschine musste wegen des Vorfalls durchstarten und kollidierte im erweiterten Bereich des Flughafens in der Luft mit einem Gegenstand, mutmaßlich einer weiteren Drohne. Einzelteile davon, darunter ein Motor und ein Rotor, wurden am 11. August gefunden.

Zwei Tage nach der Tat zog die Bundesanwaltschaft das Verfahren von der Generalstaatsanwaltschaft Dresden an sich. Sie ermittelt wegen versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Die Tat sei ein Angriff auf die Transportinfrastruktur, geeignet, die Sicherheit der Bundesrepublik zu beeinträchtigen. Die polizeiliche Arbeit liegt beim Bundeskriminalamt.

Gefunden wurde seither mehr als das eine Fluggerät. Am frühen Abend des 14. August entdeckten die Ermittler eine weitere Drohne auf einem Feld im Kabelsketal, das unmittelbar an den westlichen Teil des Flughafengeländes grenzt. In der Nähe sicherten sie rund 50 Gramm des militärischen Sprengstoffs Hexogen, der sich vermutlich von der Drohne gelöst hatte.

In Kursdorf nördlich des Flughafens stießen die Beamten außerdem auf eine präparierte Steuerungsstelle. An einem Baum war mit Klebeband eine Antenne samt Elektronik befestigt. Daneben fanden sie Spuren verbrannter Erde. Die Sonderkommission geht nach derzeitigem Stand von mindestens drei eingesetzten Drohnen aus.

Die Spuren führen zu zwei Männern aus Belarus und Russland

Am 2. September berichteten Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR über zwei Tatverdächtige. Bei einem handelt es sich demnach um einen Belarussen mit russischem Pass. Seine DNA sei an einer der Drohnen, an der Innenseite einer mit Sprengstoff gefüllten Konservendose und an einer Antenne in der Nähe des Flughafens gefunden worden. Der Abgleich in europäischen Datenbanken habe Treffer in Litauen und Finnland ergeben. Eingereist sei er mit einem italienischen Touristenvisum, das eine italienische Auslandsvertretung in Minsk Ende April ausgestellt haben soll.

Der zweite Verdächtige ist den Berichten zufolge ein gebürtiger Russe mit lettischem Pass, der die Logistik organisiert und die Ausführenden eingewiesen haben soll. Er sei Ende Juli über den Flughafen Berlin-Brandenburg eingereist, war mit einem Mietwagen unterwegs und habe Deutschland zwei Tage vor dem gescheiterten Anschlag über denselben Flughafen wieder verlassen.

Schon am 1. September hatte die Bundesregierung Russland für den Angriff verantwortlich gemacht. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ordnete die Tat dem Bereich von Low-Level-Agenten zu und sagte, Tatmittel wie die Drohnenkonfiguration, der Sprengstoff und die Zündtechnik seien aus russischer Verwendung bekannt. Nato-Generalsekretär Mark Rutte nannte die Beweise eindeutig. Kremlsprecher Dmitri Peskow wies die Vorwürfe zurück und warf der Bundesregierung vor, keine Beweise vorgelegt zu haben.

Für den Fund in Merseburg fehlt bislang die amtliche Bestätigung

Wie belastbar die Sache an der Saale ist, lässt sich von außen schwer beurteilen. Der Generalbundesanwalt hat sich dazu nicht geäußert, das Bundeskriminalamt ebenso wenig. In den Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR taucht Merseburg gar nicht auf. Beschrieben wird bisher ein einziger Fundort, auch wenn in der Berichterstattung mehrfach von Depots in der Mehrzahl die Rede ist.

Wo genau die Stelle liegt, hat die „Zeit“ nicht mitgeteilt. Auch ein genauer Ortsteil oder eine konkrete Brücke werden nicht genannt. Die Ermittlungen dauern an.

Enrico Sempert

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