Foto: Drehleiter der FFW Merseburg am ehemaligen Spritzenhaus in Meuschau © Julia Bachmann
Zwanzig Jahre nach dem Aus soll Meuschau wieder eine eigene Freiwillige Feuerwehr bekommen. Seit Oktober 2025 läuft die Grundausbildung an der Merseburger Wache. Enrico Sempert ist einer von fünf, die aktuell zum Truppmann ausgebildet werden – und erzählt aus erster Hand, warum sich das lohnt.
Merseburg, 3. September 2026 – Ende Mai 2026 stand ich zum ersten Mal auf einem Übungsturm und sollte mich abseilen. Am Turm der Feuerwehrtechnischen Zentrale des Saalekreises in Blösien. Fünfundzwanzig Meter runter, Gurt und Seil waren geprüft, unten wie oben gab es dafür erfahrene Kameraden und Kameradinnen bei der Sicherung. Angemeldet hatte ich mich dafür im Sommer davor, als die Stadt Merseburg beim Meuschauer Pfingstfest dazu aufrief, in Meuschau eine neue Freiwillige Feuerwehr aufzubauen. Beim Blick über die Kante kamen mir aber leise Zweifel.

Seit Oktober 2025 gehöre ich zu einer Gruppe von fünf angehenden Kameradinnen und Kameraden aus Meuschau, die an der Merseburger Wache in der Oeltzschnerstraße die Grundausbildung Truppmann Teil 1 absolvieren. Insgesamt sind wir sieben, aber fünf von uns waren vorher nie bei der Feuerwehr. Ich schon, als Jugendfeuerwehr-Anwärter vor mehr als zwanzig Jahren. Dann kam das Leben dazwischen. Der Aufruf im Sommer 2025 hat mich dann doch wieder gepackt, da das Thema bei mir nie wirklich tot war.
Meuschau hatte schon einmal eine Wehr – über siebzig Jahre lang
Meuschau hatte schon einmal eine eigene Wehr. Nach Angaben der 2013 vom Freundeskreis der Meuschauer Geschichte herausgegebenen Ortschronik „Meuschau einst und jetzt“ wurde sie am 2. Juli 1932 durch die Bürger Albert Wilfroth, Paul Gärtner und Herrn Hohlstein gegründet. Die Satzung stammt aus demselben Sommer. Familie Wilfroth stellte einen Gerätewagen. 1936 bekam die Wehr ein Spritzenhaus, ein Jahr später gründete sie sogar einen eigenen Spielmannszug.
Über siebzig Jahre lang gab es sie. 2005 wurde die Freiwillige Feuerwehr Meuschau wegen Personalmangels aufgelöst und der Stadt Merseburg zugeordnet. Seither rücken die hauptamtlichen und freiwilligen Kräfte aus der Merseburger Wache aus, wenn im östlichen Ortsteil etwas passiert. Innerhalb der gesetzlich vorgesehenen zwölf Minuten sind sie meistens vor Ort, allerdings nur mit einer Staffel, also sechs Mann (1/5/6). Für einen Einsatz wie einen ausgedehnten Wohnungsbrand oder einen Verkehrsunfall braucht es aber deutlich mehr Kräfte. Diese fehlenden Kräfte sollen künftig auch aus dem Ortsteil selbst kommen und damit im Ernstfall auch möglichst schneller vor Ort sein.
Siebzig Stunden bis zur Prüfung
Alle zwei Wochen treffen wir uns mittwochs im Hof der Merseburger Wache. Draußen geht es ans Standrohr, wir kuppeln Schläuche und Verteiler und üben immer wieder Knoten sowie Fahrzeug- und Gerätekunde. Drinnen im Unterrichtsraum geht es um Brennen und Löschen und um die Rechtsgrundlagen aus dem Brandschutz- und Hilfeleistungsgesetz. Insgesamt sind es siebzig Stunden nach Feuerwehrdienstvorschrift 2. Am 12. September steht die Prüfung an, später folgt dann noch der Sprechfunklehrgang. Truppmann Teil 2 (80 Stunden) zieht sich über zwei Jahre, und wer gesundheitlich passt, macht, wenn er will, den Atemschutz.
Wer uns ausbildet, wechselt je nach Thema. Meist sind es Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr Merseburg, auch Stadtwehrleiterin Peggy Drehkopf steht selbst regelmäßig vor uns. Zwischen Alteingesessenen und uns Neuen macht keiner einen Unterschied, gelacht wird viel, und wenn einer beim Knoten hängt, hilft der Nächste.

Warum jemand freiwillig mittwochs auf dem Hof steht
Warum ich das seit zehn Monaten mache, obwohl kein Geld fließt und die Woche ohnehin voll ist? Weil ohne Freiwillige irgendwann niemand mehr losfährt, wenn die Sirene geht. Feuerwehrmitglieder dürfen die Bibliothek und die Schwimmhalle kostenlos nutzen, das ist nett, aber deswegen fängt keiner an. Nichtsdestotrotz ist es spannend und irgendwie aufregend, ein Teil von etwas Neuem zu sein. Wann hat man im Leben schon einmal die Chance, eine Feuerwehr mitzubegründen? Allein darauf kann man schon stolz sein.
Wer aus Meuschau oder aus der Umgebung mit dem Gedanken spielt, mitzumachen, meldet sich am besten direkt bei der Feuerwehr Merseburg. Erreichbar ist die Wache unter (03461) 210025, per E-Mail an feuerwehr@merseburg.de oder persönlich in der Oeltzschnerstraße 112. Ausbildung und Ausrüstung werden gestellt. Der Rest zeigt sich mittwochabends auf dem Hof.
Der Autor gehört selbst zu den Auszubildenden der geplanten Feuerwehr Meuschau.







