Foto: Kanaldeckel mit Aufschrift Fernwärme © Alexander Hauk/pixelio
Nach der kurzfristig abgewendeten Fernwärme-Sperrung am Bergmannsring schaltet sich Oberbürgermeister Sebastian Müller-Bahr nun persönlich in die Gespräche mit dem Berliner Eigentümer ein.
Merseburg, 12. Mai 2026 – Oberbürgermeister Sebastian Müller-Bahr (CDU) will sich persönlich in die Gespräche um die Zukunft der Wohnobjekte am Bergmannsring einschalten. Er werde zusätzlich den direkten Austausch mit dem Berliner Eigentümer suchen, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage von Merseblatt mit. Die wiederholten Zahlungsausfälle der AS Property Management GmbH bewerte der Oberbürgermeister mit großer Sorge.
Sperrung kurzfristig abgewendet
Hintergrund ist die für den 4. Mai angekündigte Sperrung der Fernwärme durch die Stadtwerke Merseburg. Fünf Objekte mit insgesamt 79 Wohneinheiten wären betroffen gewesen. Ein Teil der offenen Forderungen sei kurzfristig vor dem geplanten Termin beglichen worden, sodass die Sperrung nicht umgesetzt werden musste, teilte der Versorger zuvor mit. Die Mieterinnen und Mieter seien noch am Montag durch Aushänge informiert worden. Das ursprünglich für den 6. Mai angesetzte Gespräch zur Einrichtung einer Zwischenlösung wurde daraufhin vorerst abgesagt.
Gebäudewirtschaft als möglicher Käufer
Im Mittelpunkt der städtischen Bemühungen steht nach Angaben aus dem Rathaus die Frage, ob ein Ankauf der Wohnblöcke durch die kommunale Gebäudewirtschaft Merseburg GmbH (GBW) möglich wäre. Aus Sicht der Stadt wäre ein solcher Erwerb die sinnvollste Perspektive: Die GBW sei ein verlässlicher kommunaler Vermieter, der langfristig Verantwortung für Wohnraum und Mieter übernehme.
Erste Kontakte zwischen der Gebäudewirtschaft und dem Eigentümer hatte es bereits in der Vergangenheit gegeben, heißt es aus der Stadtverwaltung. Die bislang aufgerufenen Kaufpreise hätten jedoch deutlich über dem marktüblichen Wert der Objekte gelegen. Die Gebäudewirtschaft selbst hält sich auf Merseblatt-Anfrage zurück. Da es derzeit noch nichts zu berichten gebe, wolle man aktuell keine Stellung beziehen, teilte Geschäftsführer Mike Großmann mit. Sobald Bewegung in die Sache komme, werde man sich gerne äußern.
Mit Banken stehe die Stadt aktuell noch nicht im Austausch, heißt es aus dem Rathaus. Im Vordergrund stehe zunächst das direkte Gespräch mit dem Eigentümer beziehungsweise der AS-Unternehmensgruppe, um mögliche Lösungen auszuloten.
Unmittelbare Vorkehrungen für den Fall einer erneuten Versorgungsunterbrechung kann die Stadt nach eigener Darstellung nicht treffen. Zwischen den Mieterinnen und Mietern und den Stadtwerken bestünden direkte Vertragsverhältnisse. Die Stadtwerke stünden jedoch bereits seit längerer Zeit im persönlichen Austausch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Sollte es erneut zu größeren Zahlungsrückständen kommen, würden die Stadtwerke – wie bereits vor etwa einem Jahr praktiziert – Lösungen anbieten, die eine Abschaltung möglichst verhindern. Für den Fall Bergmannsring hat der Versorger eigenen Angaben zufolge eine eigene Hotline sowie eine separate E-Mail-Adresse eingerichtet.
Begrenzte rechtliche Möglichkeiten
Auch die rechtlichen Möglichkeiten der Stadt gegenüber dem Eigentümer sind nach Auskunft der Verwaltung begrenzt. Ein unmittelbares Einschreiten sei vor allem dann möglich, wenn eine akute Gefährdung für Leib und Leben vorliege – etwa bei einem längerfristigen Ausfall der Wärmeversorgung in starken Kälteperioden. In einem solchen Fall würde die Stadt im Rahmen der Gefahrenabwehr tätig.
Zu möglichen juristischen Schritten gegen die AS Property Management GmbH wollten sich die Stadtwerke nicht im Detail äußern. Man halte sich strikt an die Vorgaben eines ordnungsgemäßen Mahnprozesses; wiederholte Zahlungsausfälle würden entsprechend interner Richtlinien bewertet.
Bereits im Frühjahr 2025 drohten in Merseburg massenhafte Sperrungen der Fernwärme – nach Angaben der Linksfraktion habe die AS Property Management damals die Nebenkostenzahlungen der Mieter nicht an die Stadtwerke weitergeleitet. Auch in Magdeburg kam es 2025 bei Wohnobjekten der AS-Unternehmensgruppe zu Versorgungsausfällen.







Der OB überblickt stadteigene Grundstücke nicht. Es wurde erst kürzlich das Hochhaus abgerissen und möglicher Wohnraum durch Sanierung oder Neubau vernichtet.