Feuerwehr, Altkleider, Bürgermelder: Was den Ordnungsausschuss bewegt

Foto: Plenarsaal im alten Rathaus © Enrico Sempert


In die Jahre gekommen Einsatzfahrzeuge, schrumpfende Zahl der Altkleidercontainer, ein neues Meldesystem für Bürger – und gleich zu Beginn ein Einwand zum Vorsitz: Der Ausschuss für Ordnung und Gefahrenabwehr hatte in seiner jüngsten Sitzung ein volles Programm.


Merseburg, 20.04.2026 – Die Merseburger Feuerwehr kämpft an mehreren Fronten. Einige Einsatzfahrzeuge sind in die Jahre gekommen; Reparaturen werden zur Geduldsprobe, weil die Wagen teils weite Strecken zu den Werkstätten zurücklegen müssen. Dazu kommen Lieferengpässe bei Material, eine Personaldecke, die dauerhaft dünn bleibt, zu wenig Führungskräfte und immer weniger Ehrenamtliche, die tagsüber einspringen können. Selbst auf der Feuerwache wird der Platz knapp. So stellte sich die Lage im jüngsten Ausschuss für Ordnung und Gefahrenabwehr am 13. April dar.

Um die gestiegenen Aufgaben zu stemmen, hat man nun acht Fachgruppen gebildet. Sie kümmern sich unter anderem um Aus- und Fortbildung, Einsatzbekleidung, eine neue Feuerwehrsatzung, eine Dienstanweisung für den Stadtwehrleiter/in und um eine eigene Verwaltungssoftware.

Skepsis gegenüber einer Zusammenlegung

Für die deutlichsten Wortmeldungen sorgte wieder einmal die Frage, ob die Ortsfeuerwehren Meuschau und Trebnitz zusammengelegt werden. Stadträtin Petra Ernst (Die Linke) brachte diese ein, nachdem auf einer Folie statt der Feuerwehr Trebnitz die Feuerwehr Meuschau, welche es noch gar nicht gäbe genannt wurde. Ernst mahnte, vor einem solchen Schritt müsse unbedingt mit den Trebnitzer Kameraden gesprochen werden, sonst gehe das schief.

Der Ortsbürgermeister von Trebnitz, Andreas Zieger, zeigte sich bei dieser Thematik sehr skeptisch: Die Trebnitzer haben 14 aktive Mitglieder, und ihr Feuerwehrhaus hätten die Kameraden und Trebnitzer damals in Eigenleistung hergerichtet – anders als in Meuschau, wo das alte Feuerwehrhaus heute von den Pfingstburschen genutzt werde.

Ulrike Findeisen, Leiterin des Geschäftsbereichs Bürgerdienste, Straßen, Grün und Sicherheit, beruhigte: Die Stadt habe sich in der Frage nicht festgelegt oder andernweitig positioniert, die Trebnitzer Wehr sei auf einem guten Weg. „Niemand will die Feuerwehr in Trebnitz abschaffen“, sagte sie.

Einwand zum Vorsitz

Gleich zu Beginn der Sitzung erhob Stadtrat Roland Striegel (SPD/Bündnisgrüne) einen formalen Einwand: Es sei nicht korrekt, dass Stadträtin Manuela Krause (AfD) den Vorsitz des Ausschusses führe, ohne dass der Stadtrat das beschlossen habe. Krause war nachgerückt, nachdem der frühere Vorsitzende Uwe Darnstädt (AfD) den Posten abgegeben hatte. Er forderte, den Vorgang zu „heilen“, um Rechtssicherheit herzustellen. Oberbürgermeister Sebastian Müller-Bahr (CDU) widersprach. Das Rechtsamt habe die Frage geprüft, ein Stadtratsbeschluss sei nicht nötig – die Fraktion dürfe das selbst entscheiden. Krause ergänzte, das Verfahren sei vorab mit dem Stadtratsvorsitzenden abgestimmt worden. Müller-Bahr nahm den Einwand dennoch zu Protokoll und kündigte an, den Punkt noch einmal zu prüfen. Die Sitzung lief danach im Einvernehmen weiter.

13 Standorte für Altkleidercontainer

Nach der Versorgung mit Altkleidercontainern im Stadtgebiet hatte Veronika Mißberger (CDU), Ortsbürgermeisterin von Beuna, gefragt. Die Antwort fiel zweigeteilt aus. Weil die Auftragslage in der Branche schlecht sei, hätten sich viele Sammler zurückgezogen, erklärte Ulrike Findeisen. Eine Firma sei aber gefunden, die zunächst für ein halbes Jahr neue Container aufstellen werde.

Auf Merseblatt-Anfrage hat die Stadt im Nachgang konkrete Zahlen nachgereicht. Im vergangenen Jahr seien rund zwei Drittel der Altkleidercontainer im Stadtgebiet von privaten Sammlern abgezogen worden. Durch reduzierte Standortgebühren und Unterstützung bei der Entsorgung von Fremdmüll habe die Stadt die Grundversorgung halten können. Verträge bestehen weiter mit Contec und Profittex. Belegt sind derzeit 13 Standorte:

Jagdrain, Am Stadtpark, Hallesche Straße, Goethestraße, August-Bebel-Straße, Brotuffstraße, Neumarktkirche, Bürgergarten, Nulandtstraße, Naumburger Straße, Geiseltalstraße, Atzendorf (Am Teich) und Blösien (Schulstraße).

Auf eine Erholung des Marktes setzt die Stadt nicht: Eine Entwicklung hin zu mehr Anbietern sei derzeit nicht absehbar. Findeisen bittet deshalb darum, stärker auf die Wertstoffhöfe des Landkreises auszuweichen bzw. diese zu nutzen. Die nächste Annahmestelle liegt bei der Entsorgungsgesellschaft Saalekreis (EGS) in der Großkaynaer Straße 1.

Bürgermelder wird abgelöst

Am Ende der Sitzung kündigte Müller-Bahr an, dass der Bürgermelder auf ein neues System umgestellt wird. Das bisherige werde nicht mehr gepflegt, ebenso wenig die Plattform hinter der städtischen Webseite – auch dort steht ein Wechsel an. Eine vertraute Funktion wird dabei verschwinden: Der Status „in Bearbeitung“, mit dem Bürger und Bürgerinnen bisher den Bearbeitungsstand ihrer Meldungen nachvollziehen konnten, lässt sich in der neuen Software nicht abbilden. Andere Städte setzten das System bereits ein, die Technik sei damit erprobt, sagte er.

Enrico Sempert

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One thought on “Feuerwehr, Altkleider, Bürgermelder: Was den Ordnungsausschuss bewegt

  1. Eine freiwillige Feuerwehr gibt es seit vielen Jahren nicht mehr in Meuschau. Das das leerstehende Gebäude von einem Verein genutzt wird, finde ich gut. Andere Grundstücke der Stadt verkommen, egal ob bebaut oder unbebaut, weil die Prioritäten der Verwaltung eben so sind. Die Dörfer sind keine Prestigeobjekte der jeweils amtierenden Bürgermeistet der Stadt. Hierfür gibt es kein Geld, weil sich kein Minister hierher verirrt.

  2. Der Bürgernelder ist voller Beschwerden. Da scheint einiges in der Verwaltung daneben zu laufen. Aber Projekte planen und sich verplanen. Hunderttausende Euro die dringend für das Nötigste gebraucht werden. Unverständlich. Aber es gibt ja Fördermittel.

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