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Entweder jahrzehntelange Zuschüsse oder hohe Sanierungskosten nach einer möglichen Insolvenz – die Eigentümer des früheren Bergwerks im Saalekreis setzen das Land unter Zugzwang.
Teutschenthal, 26.04.2026 – Um die laufenden Sanierungsarbeiten am früheren Salz- und Kalibergwerk Teutschenthal nicht zu gefährden, soll Sachsen-Anhalt knapp 90 Millionen Euro bereitstellen. Diese Summe verlangt nach einem Bericht der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Wochenendausgabe) der bayerische Geiger-Konzern, dem die Betreibergesellschaft gehört. Andernfalls drohe der Tochterfirma im Saalekreis die Zahlungsunfähigkeit. Die Zeitung beruft sich auf ein internes Schreiben von Wirtschaftsstaatssekretär Gert Zender an den Finanzausschuss des Landtags.
Hinter dem Streit steht eine über Jahrzehnte gewachsene Aufgabe: Die unterirdischen Hohlräume der Grube müssen mit Abfallstoffen befüllt werden, damit das Bergwerk nicht zusammenbricht. Diese Arbeiten erledigt die Grube Teutschenthal Sicherungs-GmbH (GTS). Doch nach Darstellung der Geschäftsführung tragen die Erlöse aus dem Verfüllgeschäft inzwischen nicht mehr die laufenden Kosten – die Firma stehe vor finanziellen Problemen, wie die MZ aus dem Schreiben Zenders zitiert.
Frisches Geld vom Mutterkonzern Geiger soll es laut dem Bericht ebenfalls nicht geben. Sollte die GTS dann tatsächlich Insolvenz anmelden, käme ein neuer Akteur ins Spiel: das Landesamt für Geologie und Bergwesen. Es müsste die Stilllegung übernehmen – auf Kosten der Steuerzahler. Wie die MZ schreibt, beziffert der Staatssekretär dieses Risiko in seinem Brief sehr deutlich: „In diesem Szenario betragen die voraussichtlichen Kosten für das Land Sachsen-Anhalt mindestens 130 Millionen Euro.“
Steinsalz statt Stilllegung?
Eine zweite Variante hat Zender dem Ausschuss laut Bericht ebenfalls auf den Tisch gelegt: die Wiederaufnahme der Steinsalzförderung in Teutschenthal. Damit hätte die GTS wieder eine eigene Einnahmequelle. Allerdings koppelt der Geiger-Konzern dieses Modell an Landeszuschüsse von rund drei Millionen Euro im Jahr – über drei Jahrzehnte gerechnet 88 Millionen Euro.
Im Wirtschaftsministerium stoßen diese Forderungen laut MZ auf erheblichen Widerstand. Die vorgeschlagene Vereinbarung sei „deutlich zulasten des Landes formuliert und keineswegs tragbar“, schreibt Zender wörtlich. Gleichzeitig schildert der Staatssekretär nach Angaben der Zeitung das Tempo, das die Gegenseite vorgibt: „Die Gesellschaft erzeugt massiven Druck und teilte mit, dass jedwede Verzögerung die Fortführung des Projekts gefährde. Sie droht mit der Insolvenz, sollte kurzfristig keine Finanzierungsvereinbarung zustande kommen.“
Ob und wie das Land auf das Ultimatum reagiert, ist offen. Das Wirtschaftsministerium habe sich auf MZ-Anfrage nicht zum Stand der Gespräche äußern wollen, schreibt die Zeitung. Auch beim Geiger-Konzern selbst seien Fragen der Redaktion am Freitag unbeantwortet geblieben.





