Foto: Die Leuna Werke bei Abend © PantherMediaSeller / Depositphotos
Mit den Anlagen von Leuna-Polyamid verliert die InfraLeuna im Oktober ihren größten Chemiekunden. Sie rechnet mit Umsatzeinbußen und prüft, wie viele eigene Stellen sie halten kann. Auch Lieferanten, Abnehmer und Dienstleister trifft es.
Das Aus für die Anlagen der LEUNA-Polyamid GmbH bleibt nicht auf einen Betrieb beschränkt. Die InfraLeuna, die am Chemiestandort Leuna die Infrastruktur betreibt und zugleich Gesellschafterin des insolventen Unternehmens ist, rechnet mit Umsatzeinbußen. Sie kündigt an, Kapazitäten anzupassen, und schreibt, in diesem Zusammenhang seien auch personelle Anpassungen zu prüfen. Dabei werde man verantwortungsvoll vorgehen. Das teilte sie auf Anfrage von Merseblatt mit.
Wie viele Stellen betroffen sein könnten, lässt das Unternehmen offen. Deutlicher wurde Geschäftsführer Dr. Christof Günther schon am Montag, in einem Schreiben an die Belegschaft, das Merseblatt vorliegt. Mit dem Herunterfahren der Anlagen verliere die InfraLeuna ihren wichtigsten Chemiekunden, heißt es dort, deshalb würden schmerzliche Anpassungen und Einschnitte nötig. Anders lasse sich die Zukunft des eigenen Unternehmens nicht sichern.
Ammoniak, Benzol und Phenol fehlen künftig im Verbund
Der Grund liegt darin, wie der Standort aufgebaut ist. Die Anlagen von Leuna-Polyamid gehörten seit vielen Jahren zum Stoff- und Energieverbund, teilte die InfraLeuna mit. Künftig würden unter anderem Ammoniak, Benzol für die Phenolerzeugung, Schwefel und Propylen nicht mehr im bisherigen Umfang abgenommen, dazu Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff. In die andere Richtung entfalle die Möglichkeit, andere Firmen auf dem Gelände mit Phenol aus diesen Anlagen zu versorgen. Die betroffenen Unternehmen müssten sich andere Absatzwege oder Lieferquellen suchen.
Von der InfraLeuna selbst habe Leuna-Polyamid Dampf und Energie bezogen, dazu Rückkühlwasser, Druck- und Steuerluft sowie Leistungen aus Logistik, Werkschutz und Werkfeuerwehr. Das Unternehmen zähle zu den größeren Abnehmern solcher Infrastrukturleistungen am Standort, heißt es in der Stellungnahme, entsprechend werde die Produktionseinstellung Umsatzeinbußen nach sich ziehen.
Betroffen sind nach Angaben der InfraLeuna auch zahlreiche Dienstleister, die bislang für Leuna-Polyamid gearbeitet haben. Welche Folgen sich mittel- und langfristig ergäben, lasse sich derzeit nicht abschließend bewerten. Klar sei aber, dass der Wegfall eines so großen Kunden die Kosten am Standort verändern werde.
Über die Zukunft der Anlagen entscheidet sich erst im Insolvenzverfahren
Was mit den Anlagen und Gebäuden geschieht, ist noch offen. Sobald das Verfahren eröffnet sei und der Insolvenzverwalter sein Amt antrete, liege die weitere Entwicklung maßgeblich bei ihm, teilte die InfraLeuna mit. Für einzelne Objekte und Anlagenteile gebe es nach ihrem Kenntnisstand vereinzelt Ansätze für eine Weiternutzung. Ob daraus etwas werde, hänge von der Insolvenzverwaltung ab und davon, ob sich Investoren oder Interessenten fänden. Wie es langfristig weitergehe, lasse sich derzeit nicht seriös einschätzen.
Der Standort insgesamt bleibe breit aufgestellt, teilte das Unternehmen mit. Gemeinsam mit den Firmen vor Ort wolle man die Folgen bewältigen.
Zum 1. April hatte die neu gegründete LEUNA-Polyamid GmbH, hinter der die InfraLeuna und die LEUNA-Harze GmbH stehen, die Aktivitäten der insolventen DOMO Caproleuna übernommen. Nach Angaben des Insolvenzverwalters der DOMO Caproleuna wechselten damals 436 Beschäftigte mit, 39 verloren ihre Stelle. Zweieinhalb Monate später musste die neue Gesellschaft selbst Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden. Am Montag teilte sie mit, im Investorenprozess sei kein belastbares Angebot eingegangen, die Anlagen würden abgefahren. Betroffen sind dort rund 400 Menschen. Die Produktion läuft noch bis Ende September, danach beginnt das Herunterfahren.






