Kein Investor für Leuna-Polyamid, die Anlage wird abgefahren

Foto: Industrieanlage Leuna © mijeshots/ depositphotos


Für die Anlagen der früheren DOMO Caproleuna in Leuna gibt es keine Rettung mehr. Die LEUNA-Polyamid GmbH hat am Montag mitgeteilt, dass im Investorenprozess kein belastbares Angebot eingegangen ist.


Für die Anlagen der früheren DOMO Caproleuna in Leuna gibt es keine Rettung mehr. Die LEUNA-Polyamid GmbH hat am Montag mitgeteilt, dass im Investorenprozess kein belastbares Angebot eingegangen ist. Das Abfahren der Anlagen sei unabwendbar. Betroffen sind rund 400 Beschäftigte.

Fünf Monate lang sah es so aus, als könnte der Betrieb durchkommen. Am 1. April hatte die neu gegründete Gesellschaft der InfraLeuna und der LEUNA-Harze GmbH die Aktivitäten der insolventen DOMO Caproleuna übernommen Nach Angaben des Insolvenzverwalters wechselten damals 436 Menschen mit, 39 verloren ihre Stelle. Zweieinhalb Monate später musste die junge Gesellschaft selbst Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden, weil die Preise für Benzol, Propylen und Schwefel um 40 bis 100 Prozent gestiegen waren und Lieferanten auf Vorkasse bestanden.

Die letzten beiden Interessenten sagten kurz vor Schluss ab

Den Verkaufsprozess führte in der Eigenverwaltung das Beratungsunternehmen Deloitte. Bis zur gesetzten Frist Ende August ging kein konkretes Angebot ein, die beiden verbliebenen Interessenten sagten schließlich ab. Sie verwiesen nach Darstellung des Unternehmens auf die hohen Risiken am Beschaffungsmarkt. Die Erdgaspreise, die für Energie, Wasserstoff und Ammoniak den Ausschlag geben, seien seit dem Insolvenzantrag im Juni noch einmal um rund 80 Prozent gestiegen. Auf den Absatzmärkten hätten die schwache Nachfrage und die Sorge vor zunehmenden Importen aus China für Unsicherheit gesorgt.

Gemeinsam mit mehreren Unterstützern versuchte die Geschäftsführung um Martin Naundorf anschließend, die Bedingungen so zu verändern, dass ein Abschluss doch noch zustande kommt. Die letzte Frist dafür lief am Sonntag ab, dem Tag der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. An den Verhandlungstisch kehrte keiner der Interessenten zurück.

Die Produktion läuft noch bis Ende September

Seit Montag laufen die Planungen für einen geordneten Abfahrbetrieb. Die für September vorgesehene Produktion will das Unternehmen noch umsetzen, damit Vertragskunden ihre bestellte Ware bekommen. Mit der erwarteten Eröffnung des Insolvenzverfahrens Anfang Oktober beginnt das Herunterfahren der Anlagen, das nach Angaben des Unternehmens etwa 15 bis 20 Tage dauert.

Danach stehen umfangreiche Arbeiten an. Die Anlagen müssen entleert und gereinigt werden, und dafür werden die Beschäftigten mit ihrer fachlichen Expertise weiterhin gebraucht, wie es in der Mitteilung heißt. Wie lange das dauert, hängt von den Anforderungen der Behörden ab. Parallel will das Unternehmen gemeinsam mit der Arbeitsagentur und mit anderen Firmen am Standort nach Perspektiven für die Belegschaft suchen.

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie hatte bereits im Juni vor einem Dominoeffekt am Chemiepark gewarnt, weil die Betriebe dort eng voneinander abhängen. Die Geschäftsführung dankte in der Mitteilung Lieferanten, Dienstleistern und Kunden für die langjährige Treue. Man hätte die Geschäftsbeziehung gern fortgeführt, müsse aber akzeptieren, dass die Marktbedingungen eine auskömmliche Produktion am Standort verhindern.

Das Land gab rund 80 Millionen Euro für den Notbetrieb

Für Sachsen-Anhalt endet ein teurer Rettungsversuch. Nach dem Insolvenzantrag der deutschen Domo-Gesellschaften Ende Dezember 2025 ordnete das Land einen reduzierten Notbetrieb an, weil ein abruptes Abschalten mitten im Winter technisch und umweltrechtlich nicht möglich war. Der Notbetrieb lief bis zur Übernahme Ende März. Umweltminister Armin Willingmann nannte im Umweltausschuss des Landtags rund 80 Millionen Euro und sagte dazu, von dem Geld werde man nicht sehr viel wiedersehen.

Ein juristisches Nachspiel gibt es ebenfalls. Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt seit Mai gegen drei frühere Geschäftsführer der DOMO Caproleuna wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung, wie ein Sprecher der Behörde bestätigte. Namen wurden nicht genannt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Enrico Sempert

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