Foto: Verdiente Persönlichkeiten des Saalekreises 2026. Udo Schwarz (3.v.r.) und Dr. Heino John (2.v.r.) beim Sommerempfang des Landkreises im CcE in Leuna. © Landkreis Saalekreis
Der eine sammelt seit fast sieben Jahrzehnten Pflanzen, der andere zählt seit mehr als 60 Jahren Vögel. Beim Sommerempfang des Landkreises in Leuna sind Dr. Heino John und Udo Schwarz als verdiente Persönlichkeiten des Saalekreises geehrt worden. Warum ihre Arbeit weit über den Saalekreis hinaus zählt.
Für ihre Arbeit im Naturschutz hat der Saalekreis am Freitag zwei Männer ausgezeichnet, die seit Jahrzehnten in der Region unterwegs sind. Beim Sommerempfang des Landkreises im CcE in Leuna wurden Dr. Heino John und Udo Schwarz als verdiente Persönlichkeiten des Saalekreises geehrt. Der eine bestimmt Pflanzen, der andere zählt Vögel. Beide tun das ehrenamtlich, und beide bringen ein Wissen über ihre Region mit, das sich in wenigen Jahren nicht ansammeln lässt.
Kreistagsvorsitzender Andrej Haufe hob bei der Ehrung hervor, was solche Arbeit ausmacht. „Das ehrenamtliche Engagement von Bürgerinnen und Bürger im Naturschutz verdient höchste Anerkennung“, sagte er. Die Geehrten brächten nicht nur großen Einsatz für ihre Sache mit, sondern auch konkrete ortsbezogene Sachkenntnis und die Fähigkeit, Kompromisse zu finden.
Heino John legte seine ersten Herbarbelege mit 15 Jahren an
Heino John ist in Köchstedt geboren und promovierter Chemiker. Zum Naturschutz kam er früh. Die ersten Herbarbelege sammelte er mit 15 Jahren, und dabei ist es geblieben, fast sieben Jahrzehnte lang. Aus der jugendlichen Neugier auf die heimatliche Kulturlandschaft wurde eine systematische Arbeitsweise und ein Ruf, der weit über Sachsen-Anhalt hinausreicht. Als Botaniker ist John national wie international geschätzt.
Im Saalekreis und im Mansfelder Land kennt er nach Darstellung des Landkreises jeden Winkel, die heimatkundlichen Hintergründe ebenso wie die seltenen Pflanzenarten. Er hat zahlreiche Projekte begleitet, bei denen es darum ging, Lebensräume und Populationen bestandsbedrohter Arten wiederherzustellen. Dazu gehören die historische Kulturlandschaft im Saaletal, die Kuckenberger Hänge und die Elster-Luppe-Aue. Sein Wissen steckt in etlichen Veröffentlichungen der botanischen und heimatkundlichen Fachliteratur, und er gibt es weiter, an berufliche Kolleginnen und Kollegen ebenso wie an Ehrenamtliche.
Seit mehr als 50 Jahren arbeitet John ehrenamtlich als Naturschutzbeauftragter des Landkreises. Der Saalekreis nennt ihn einen Brückenbauer zwischen den Anliegen des behördlichen Naturschutzes und den Interessen der Flächeneigentümer. Er ist in Fachbehörden des Landes tätig, in den Naturschutzbehörden des Saalekreises und in der Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt. Landwirtschaftliche Betriebe holen ihn seit Jahren als Berater dazu, wenn die Produktion mit einer schonenden ackerbaulichen Bewirtschaftung zusammengehen und die bestandsbedrohte Ruderalflora dabei nicht verlieren soll. Mit Vorträgen, Führungen und Exkursionen erreicht er auch Leute, die mit Botanik bis dahin wenig zu tun hatten.
Udo Schwarz kartiert die Vogelwelt um Merseburg und Querfurt
Udo Schwarz kam noch als Teenager zur Fachgruppe für Ornithologie und Vogelschutz in Merseburg. Das ist mehr als 60 Jahre her, seit einigen Jahren führt er die Gruppe als Vorsitzender. Sein Wissen über die Vogelwelt zwischen Merseburg und Querfurt gilt als umfassend.
Die Fachgruppe arbeitet für den Vogelschutz auch mit dem NABU zusammen. Für Seeschwalben wurden Nistflöße angeschafft, in der Kiesgrube in Burgliebenau richteten die Vogelschützer Nisthilfen ein. Dort hat sich die Population der Graureiher seither wieder erhöht.
Der Kern der Arbeit ist die Avifaunistik, also das wissenschaftliche und ehrenamtliche Erfassen, Kartieren und Dokumentieren aller Vogelarten eines bestimmten Gebietes. Auf seinen Streifzügen pflegt Schwarz seine Beobachtungen von Brutplätzen per App ein. Die Daten fließen unter anderem in den Brutvogelatlas des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten.
Wer so lange zählt, sieht die Veränderungen. Schwarz beobachtet, wie Arten verschwinden, weil der Mensch in die Flussläufe eingegriffen hat. Die Flussseeschwalbe findet an begradigten Flüssen keine Brutplätze mehr. Zugleich werden neue Arten heimisch. Der Bienenfresser hat sich wegen der wärmeren Temperaturen auch im Saalekreis angesiedelt.
Sichtbar wird die Arbeit der Fachgruppe beim jährlichen Storchenfest in Tragarth und bei der Ausstellung, die sie jedes Jahr im „Dicken Heinrich“ im Merseburger Schloss organisiert. In diesem Jahr brachte Schwarz sein Wissen zudem in die Sonderausstellung „Naturschätze bewahren“ des Kulturhistorischen Museums Schloss Merseburg ein. Ihm gehe es darum, andere für die Natur zu begeistern und das Bewusstsein zu stärken, sie zu schützen.
Landrat Handschak nennt die Auszeichnung eine lieb gewonnene Tradition
Landrat Hartmut Handschak bedankte sich bei den beiden Ausgezeichneten. Die Ehrung verdienter Persönlichkeiten sei „nicht nur eine lieb gewonnene Tradition“, sagte er, sondern „Zeichen und Anerkennung für den großartigen und vielseitigen Einsatz vieler Menschen im Saalekreis“. Die ehrenamtliche Arbeit von Dr. Heino John und Udo Schwarz sei nicht nur für Umwelt, Naturschutz und Artenvielfalt von Bedeutung, sondern auch „von unschätzbarem Wert für die Lebensqualität in unserem Landkreis und darüber hinaus“.






