Vereinsheim eröffnet – Kleingartensparte Pappelallee feiert 95 Jahre und ihre Geschichte

Foto: Maik Prall, Alex (von der Baufirma Schnabel), OB Sebastian Müller-Bahr v.l.n.r. © Enrico Sempert


Die Kleingartensparte Pappelallee hat am Samstag ihr saniertes Vereinsheim offiziell eröffnet. Die 8.000 Euro teure Sanierung wurde vor allem aus Bürgerbudget-Mitteln und Eigenleistung gestemmt. Zum Fest gab es außerdem eine Führung durch die Geschichte des Geländes – ein früheres Kriegsgefangenenlager.


Merseburg, 27. Juli 2026 – Kurz vor 14 Uhr, ein warmer Nachmittag, das Fest an der Pappelallee läuft schon. Zuckerwatte, Popcorn, die Hüpfburg mit ihrer Kinderschlange davor.

Dann geht es auch schon los. Die Kleingartensparte Merseburg Süd „Pappelallee“ hat zur offiziellen Einweihung ihres sanierten Vereinsheims im Rahmen des Kinder- und Gartenfestes geladen, dazu ist auch Oberbürgermeister Sebastian Müller-Bahr (CDU) und Stadtratsvorsitzender Michael Hayn (CDU) gekommen. Bezahlt wurde die Sanierung mit Geld aus dem Merseburger Bürgerbudget. Beim Tag der Entscheidung im Oktober vergangenen Jahres hatte der Verein 172 Stimmtaler und damit einen Zuschuss von 6.300 Euro aus dem städtischen Haushalt bekommen.

Zunächst spricht der Oberbürgermeister, dann Vereinsvorsitzender Maik Prall. Prall dankt den Helfern und Vereinsmitgliedern, ohne die das Ganze so nicht funktioniert hätte. „Das ist das, was ich möchte, das ist Vereinsleben und Zusammenhalt“, sagt er später noch im Vereinsheim.

Ein 8000-Euro-Projekt mit viel Eigenleistung

Rund 8.000 Euro kostete die Sanierung insgesamt. Neben den 6.300 Euro aus dem Bürgerbudget kam eine 500 Euro Spende von der Merseburger Linksfraktion des Stadtrates, nach einem Grillnachmittag. Den Rest stemmte der Verein selbst – aus Eigenmitteln und vor allem aus vielen Arbeitsstunden seiner Mitglieder und der Baufirma Schnabel. Konkret saniert wurde die Decke des Vereinsheims.

Bei der Besichtigung führt Prall durchs Heim und weiter zur Kegelbahn. Die Anlage hat noch eine eigene, kleine Kegelbahn – so etwas ist heute selten geworden, viele Kleingartenvereine haben ihre längst aufgegeben. Prall will seine erhalten. „Das kommt als Nächstes dran“, sagt er. Ein Blick aufs Dach zeigt, was auf ihn zukommt. Dort liegen noch alte Asbestplatten aus DDR-Zeiten. Ein Projekt, das nicht nur jede Menge Arbeit, sondern auch einiges an Geld kosten wird.

Nach dem kleinen Rundgang gibt es erstmal ein Eis. Der Softeis-Wagen von Softy to go (an der B91 kurz vor der Aral in Merseburg) steht an diesem Tage auf dem Vereinsgelände und erfreut sich großer Beliebtheit. Danach geht es weiter zu den neuen Eingangstoren, die Prall sichtlich stolz zeigt. Weitere sollen folgen, auch die alten Holzzäune werden nach und nach durch Metall ersetzt. Mit dabei sind neben dem Oberbürgermeister der Stadtratsvorsitzende Michael Hayn (CDU) und die CDU-Direktkandidatin für die Landtagswahl im September, Ilka Reckmann.

Vom Exerzierplatz zum Kleingarten

Wer denkt, damit sei der Nachmittag abgeschlossen, irrt. Das Gelände hat eine Geschichte, die über das übliche Kleingartenmaß hinausgeht. Dietmar Eißner, unter anderem Vorsitzender des Freundeskreises Literatur Merseburg, gibt Nachhilfe in Merseburger Geschichte. Ausführlich schildert er, was hier ab September 1914 auf dem damaligen Exerzierplatz an der Naumburger Straße entstand. Ein Kriegsgefangenenlager für zunächst 10.000 Menschen. 48 Baracken. 40.000 Gefangene aus mehreren Nationen durchliefen das Lager bis zur letzten Rückführung 1921. Über 900 überlebten die Gefangenschaft nicht.

Für die Verstorbenen legte die Lagerverwaltung 1917 einen eigenen Friedhof an, den Soldatenfriedhof „Unter den Eichen“ hinter der heutigen Gartenanlage. Beigesetzt wurden dort Soldaten unterschiedlicher Nationen und Religionen, christlich, orthodox und muslimisch, nebeneinander.

Nach Eißners Ausführungen setzt sich Prall mit einer Gruppe Interessierter in Bewegung und beginnt einen Audiorundgang übers Gelände. An mehreren Punkten lässt sich die alte Struktur des Lagers noch erahnen. Auch eine kleine Gedenkstätte hat der Verein selbst eingerichtet. 2020 stellte sich bei einer Gartenneugestaltung heraus, dass Gehwegplatten in einer Parzelle aus alten Grabplatten des Lagerfriedhofs bestanden. Der Verein baute daraus einen Gedenkort für die Toten.

Am Abend sitzt man dann noch lange bei Speis und Trank zusammen, bei bestem Wetter und in guter Runde. Ein Fest, das für Prall genau das zusammenfasst, was ihm wichtig ist. Zusammenhalt.

Enrico Sempert

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