Foto: Altes Rathaus von Merseburg – © Erwin Meier, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Der Protest der Anwohner zeigt Wirkung. Der Hauptausschuss setzt das Verfahren zum Solarpark Merseburg Nord vorerst aus. Rund 33 Bürger verfolgten die Sitzung – nun blickt alles auf die Entscheidung des Stadtrats am 5. März.
Merseburg, 28.02.2026 – In der Debatte um den geplanten Solarpark im Bereich Merseburg-Nord ist eine wichtige Entscheidung gefallen. Der Hauptausschuss hat am Donnerstag, den 26. Februar 2026, dem Antrag der Fraktionen von CDU, SPD/Bündnisgrüne, Die Linke und FDP zugestimmt, das Verfahren zum Aufstellungsbeschluss für einen neuen Bebauungsplan zunächst ruhen zu lassen. Es gab eine Enthaltung.
Rund 33 Anwohner verfolgten die Sitzung vor Ort und hörten die Diskussion aufmerksam mit. Der anhaltende Bürgerprotest scheint damit zumindest vorerst Wirkung zu zeigen.
Antrag soll Neubewertung ermöglichen
Mit dem Beschluss wird das Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 70 „Sondergebiet Solarpark Merseburg Nord“ ausgesetzt – und zwar so lange, bis geprüft ist, ob die betroffene Fläche möglicherweise anderweitig vorgesehen oder entwickelt werden könnte.
CDU-Stadtrat Matthias Kreisel erläuterte den gemeinsamen Antrag im Ausschuss und verlas dessen Inhalt nochmals. Hintergrund des Antrages seien zahlreiche Gespräche und Diskussionsrunden innerhalb der Fraktionen sowie der Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern in unterschiedlichen Formaten gewesen. Dem großen Interesse der Bevölkerung solle Rechnung getragen werden.
Es gehe darum, Alternativen zu prüfen und den weiteren Umgang mit der Fläche ohne Vorfestlegung zu betrachten, machte Kreisel deutlich. Man wolle offen prüfen, welche Entwicklung für den Bereich sinnvoll sei.
Im Vorfeld gab es auch Gespräche zwischen den Fraktionen und Oberbürgermeister Sebastian Müller-Bahr (CDU) in dessen Büro. Der Oberbürgermeister hat wohl konstruktiv mitgewirkt und den Prozess begleitet, der schließlich in dem gemeinsamen Antrag mündete.
Entscheidung im Stadtrat steht noch aus
Formell muss der Stadtrat die Ruhendstellung in seiner Sitzung am 5. März 2026 noch bestätigen. Angesichts der breiten Unterstützung im Hauptausschuss gilt eine Zustimmung jedoch als wahrscheinlich.
Erstmals beraten wurde der Aufstellungsbeschluss für den neuen Bebauungsplan am 11. November 2025 im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen, Umwelt und Wirtschaft. Vorgesehen war die Schaffung der planungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Photovoltaik-Freiflächenanlage auf den rund 13,5 Hektar südlich von Freiimfelde. 7 Hektar davon will EnBW mit Solar bebauen.
In der Folge formierte sich Widerstand in der Anwohnerschaft. Ein offener Brief an Stadtrat und Oberbürgermeister, eine gut besuchte Informationsveranstaltung mit dem Investor EnBW sowie zahlreiche Gespräche sorgten für eine breite Diskussion in der Stadt.
Kritik und Ergänzungswünsche
Aus den Reihen der AfD äußerte Stadträtin Manuela Krause Kritik. Man sei in die Abstimmung über den gemeinsamen Antrag nicht einbezogen worden, obwohl die AfD aus ihrer Sicht „Stein des Anstoßes“ gewesen sei. Zudem stellte sie die Frage, ob der Antrag fristgerecht eingereicht worden sei, und äußerte Zweifel, ob es sich um eine Hinhaltetaktik im Zusammenhang mit der anstehenden Wahl handeln könnte. Gleichwohl kündigte sie Zustimmung ihrer Fraktion an.
Stadtrat Michael Finger (Die Linke) erinnerte daran, dass ein vergleichbarer Antrag in der Vergangenheit bereits schon einmal gestellt worden sei. Damals habe die AfD diesen nicht unterstützt.
Roland Striegel Stadtrat der Fraktion SPD/Bündnisgrüne, regte an, eine zeitliche Vorgabe für die Neubewertung festzulegen. Oberbürgermeister Müller-Bahr (CDU) erklärte, er könne den erforderlichen Zeitaufwand derzeit nicht qualifiziert beziffern, sagte jedoch zu, eine Einschätzung nachzureichen.
Hinweis aus dem Naturschutz
Anwohnerin Frau Voigt, nach eigener Aussage Mitglied beim NABU, wies darauf hin, dass das betroffene Areal auch als Rückzugsraum für Wildtiere diene.
Kreisel erläuterte nochmals den Ablauf eines Planverfahrens und machte deutlich, dass eine formelle Beteiligung von Bürgern oder Naturschutzverbänden erst in späteren Schritten vorgesehen sei. Genau dieses Verfahren werde nun zunächst ausgesetzt.
Anwohner reagieren erleichtert
Im Anschluss an die Sitzung sprach Roland Ulrich mit Merseblatt. Er wirkte erleichtert und zeigte sich zufrieden mit dem Beschluss. Für die Anwohner sei das ein wichtiges Signal. Nun müsse man abwarten, was die angekündigte Prüfung tatsächlich ergebe. Er hoffe weiterhin, dass am Ende kein Solarpark gebaut werde und das Feld so erhalten bleibe, wie es ist. Die Bürgerinnen und Bürger wollten die nächsten Schritte aufmerksam begleiten.



















