Kabeldiebe legen Bahnknoten Merseburg lahm – zwölfter Fall im Raum Halle binnen eines Jahres

Symbolbild – Foto: © Creative stock photo/Depositphotos:


Fast 14 Stunden stand am Samstag dem, 11.07.2026 der Zugverkehr zwischen Halle und Merseburg still. Die Bundespolizei zählt den Kabeldiebstahl bei Leuna als zwölften vergleichbaren Fall im Raum Halle binnen eines Jahres.


Merseburg, 16. Juli 2026 – Um 05.35 Uhr am vergangenen Samstag fiel das elektronische Stellwerk in Merseburg aus. Vierzehn Minuten später ging bei der Bundespolizeiinspektion Magdeburg der Notruf aus der Leipziger Notfallleitstelle der Deutschen Bahn ein. Was in den ersten Minuten nach einer technischen Störung aussehen mochte, entpuppte sich rasch als weiterer Kabeldiebstahl im Saalekreis – der zwölfte im Raum Halle binnen eines Jahres.

Auf dem Streckenabschnitt bei Leuna hatten Unbekannte Bahnkabel durchtrennt. Weil das Merseburger Stellwerk die Signaltechnik in einem weiter reichenden Bereich steuert, blieb der Schaden nicht auf einzelne Signale beschränkt. Betroffen waren nach Angaben der Deutschen Bahn die Stellbereiche zwischen Großkorbetha und Halle-Ammendorf sowie zwischen Holleben und Merseburg. Zwischen diesen Punkten kam der Regionalverkehr zum Erliegen. Auch die Güterzüge mussten umgeleitet werden.

Bis in den späten Abend blieb die Strecke gesperrt. Die Bundespolizei nennt für die Freigabe der Strecke 19.45 Uhr, den Abschluss der Reparaturarbeiten datierte die Deutsche Bahn auf 22 Uhr. Den Regelbetrieb nahm das Verkehrsunternehmen Abellio Rail Mitteldeutschland, das die Regionalbahn 25 zwischen Halle und Saalfeld betreibt, gegen 21 Uhr wieder auf. Am Sonntag lief der Verkehr wieder planmäßig.

35 verspätete Züge, 31 komplette Ausfälle

Nach Angaben der Bundespolizei kamen 35 Züge mit insgesamt 1.356 Minuten Verspätung an ihr Ziel, 42 Züge mussten umgeleitet werden, ein Zug fiel teilweise, 31 komplett aus. Abellio spricht von mehr als 30 ausgefallenen Verbindungen allein bei den eigenen Linien. Die RB 25 wurde großräumig über Leipzig geleitet, dabei fielen die Halte in Merseburg, Schkopau und Halle-Ammendorf weg. Wie viele Fahrgäste betroffen waren, könne man nicht beziffern, teilte das Unternehmen mit.

Ersatzverkehr kam nur schleppend zustande. Erst gegen 12.30 Uhr gelang es Abellio, zwei Busse im Pendelverkehr auf die Strecke zu bringen. Fehlende Kapazitäten der Busunternehmen hätten mehr nicht zugelassen, hieß es.

Streckenabschnitt Leuna als Tatort

Der eigentliche Tatort lag nicht in Merseburg selbst, sondern auf dem Streckenabschnitt Leuna zwischen der Chemiestadt und dem Merseburger Bahnknoten. Dort hatten die Täter Kabel der Stellwerkstechnik durchtrennt. Die Deutsche Bahn ordnet den Vorfall als Vandalismus im Zusammenhang mit versuchtem Kabeldiebstahl ein, die Bundespolizei ermittelt wegen versuchten Buntmetalldiebstahls. Umfangreiche Spuren seien gesichert und würden derzeit ausgewertet, teilte die Behörde auf Anfrage mit. Eine Schadenssumme lasse sich noch nicht beziffern. Wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens macht auch die Deutsche Bahn keine weiteren Angaben zum Tatort und zu möglichen Tätern.

Zwölf Fälle in zwölf Monaten

Der Fall vom Samstag steht nicht für sich. Die Bundespolizei zählt allein im Raum Halle zwölf vergleichbare Fälle in den vergangenen zwölf Monaten. Die Fälle verteilen sich auf die Strecken zwischen Merseburg und Halle-Nietleben, zwischen Merseburg und Schafstädt sowie zwischen Merseburg und Frankleben. In allen drei Streckenverläufen taucht Merseburg als Knotenpunkt auf. Der Saalekreis hat sich damit zu einem Schwerpunkt der Kabeldiebstähle an mitteldeutschen Bahnanlagen entwickelt.

Zur Motivlage gehört das Kupfer in den Bahnkabeln, das nach der Tat als Buntmetall verwertet werden kann. Wie viel Kupfer bei den Fällen im Raum Halle bislang abtransportiert wurde und welchen Gesamtschaden die Serie an der Bahninfrastruktur verursacht hat, teilte die Bundespolizei nicht mit.

Zeugenaufruf für den Fall Leuna

Für den aktuellen Fall sucht die Bundespolizei nach Zeugen. Wer in der Nacht auf Samstag oder in den frühen Morgenstunden im Umfeld der Bahnanlagen bei Leuna verdächtige Beobachtungen gemacht hat – auffällige Fahrzeuge, Personen an Bahndämmen oder ungewöhnliche Geräusche –, wird gebeten, sich bei der Bundespolizeiinspektion Magdeburg unter 0391 / 56549 555 oder bei der kostenfreien Bundespolizei-Hotline 0800 / 6 888 000 zu melden. Hinweise nimmt auch jede andere Polizeidienststelle entgegen, ebenso das Hinweisformular auf der Website der Bundespolizei.

Reisenden, deren Zug am Samstag ausgefallen oder erheblich verspätet war, stehen Fahrgastrechte zu. Abellio verweist auf die Ansprüche und stellt entsprechende Formulare auf der eigenen Website bereit. Zuständig für die Bearbeitung ist unabhängig von der Ursache das jeweilige Eisenbahnverkehrsunternehmen.

Enrico Sempert

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