Foto: Symbolfoto Band einer Polizeiabsperrung © servickuz/depositphotos
Der Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle reicht offenbar bis in den Saalekreis. Ermittler sollen bei Merseburg ein vergrabenes Depot gefunden haben. Eine Behörde hat das bisher nicht bestätigt.
Außerhalb von Merseburg, in einer Aue, sollen Ermittler ein vergrabenes Versteck entdeckt haben. Der Flughafen Leipzig/Halle ist von dort nur wenige Kilometer entfernt. Nach dem Verdacht der Fahnder könnten die Täter des Anschlagsversuchs vom 4. August an dieser Stelle Sprengstoff und Drohnenbauteile zwischengelagert haben. Öffentlich gemacht hat den Fund die Wochenzeitung „Zeit“ am 1. September. Eine Behörde hat ihn bislang nicht bestätigt.
Das Loch lag der Zeitung zufolge unter einer Saalebrücke, abgedeckt von einer Platte. Darin steckten noch Kabelreste. Auf die Stelle führten die Bewegungsdaten eines Mietwagens, den einer der Verdächtigen genutzt haben soll. Das Fahrzeug stand dort an einem Abend rund zwei Stunden. Die Zeitung hält die Stelle für bewusst ausgewählt. Sie liege günstig zum Flughafen und sei zugleich schwer auszumachen. Die Vorbereitung zeuge, schreibt die „Zeit“, „von einer enorm professionell geplanten Operation“.
Die Bundesanwaltschaft führt das Verfahren seit dem 6. August
Am Abend des 4. August sollte auf dem Flughafengelände eine Drohne eine Explosion herbeiführen. Sie war nach Angaben des Generalbundesanwalts mit professionellem Sprengstoff und einem Zünder ausgestattet, die Ladung zündete jedoch nicht. Eine Überwachungskamera erfasste das Fluggerät um 19.29 Uhr, wie die „Zeit“ berichtet. Es traf eine geparkte Frachtmaschine an der Tragfläche. Bemerkt wurde die Drohne erst Stunden später von einem Busfahrer, gegen 23.40 Uhr. Daraufhin stellte der Flughafen den Betrieb ein. Ganz in der Nähe lag eine Konservendose mit Semtex, einem Gemisch aus RDX und PETN.
Zwei Tage nach der Tat übernahm die Bundesanwaltschaft das Verfahren von der Generalstaatsanwaltschaft Dresden. Sie ermittelt wegen versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr und wertet die Tat als schweren Angriff auf die Verkehrs- und Logistikinfrastruktur in Deutschland. Die polizeiliche Arbeit liegt beim Bundeskriminalamt.
Die Kollision der DHL-Maschine ging wohl nicht auf eine Drohne zurück
Anfang August hatte der Generalbundesanwalt noch mitgeteilt, ein Frachtflugzeug habe die Landung abbrechen müssen und sei dabei mit einem Gegenstand zusammengestoßen, vermutlich einer weiteren Drohne. Diesen Verdacht haben die Ermittler nach Informationen der „Zeit“ inzwischen fallen lassen. An der beschädigten DHL-Maschine seien nur organische Spuren gefunden worden, die wohl von einem Vogel stammen.
Die Steuerung lief vermutlich über eine Relaisstation in Kursdorf, das zwischen den beiden Landebahnen des Flughafens liegt. An einem Baum klebte dort eine Antennenanlage, die mehr als zehn Kilometer weit reicht. Sie sollte offenbar das Videobild der Drohne weiterreichen.
Tage später stießen die Beamten auf ein zweites Fluggerät. Es lag auf einem Feld in Kabelsketal, direkt am Westrand des Flughafengeländes, daneben eine verbrannte Stelle im Boden. Möglicherweise sind beide Drohnen von dort aus gestartet. Auch an dieser Stelle blieben Rückstände eines militärischen Sprengstoffs zurück. Der Sprengsatz vom Flugfeld war mit einer Zündtechnik ausgerüstet, wie sie von russischen Drohnen im Ukrainekrieg bekannt ist.
Die Ermittlungen richten sich gegen zwei Beschuldigte
Gegen zwei Beschuldigte ermittelt der Generalbundesanwalt den Angaben der „Zeit“ zufolge seit Mitte August. Die gesicherten DNA-Spuren weisen nach Litauen, Finnland und Polen.
Die „Zeit“ beschrieb den Fund bei Merseburg am 1. September. Einen Tag später berichteten Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR über die beiden Männer. Bei einem handelt es sich demnach um einen Belarussen mit russischem Pass. Seine DNA sei an einer der Drohnen, an der Innenseite der Konservendose und an der Antenne gefunden worden. Eingereist sei er mit einem italienischen Touristenvisum, das eine italienische Auslandsvertretung Ende April in Minsk ausgestellt haben soll. Der zweite Verdächtige ist den Berichten zufolge ein gebürtiger Russe mit lettischem Pass. Er soll die Logistik organisiert und die Ausführenden eingewiesen haben, reiste Ende Juli über den Flughafen Berlin-Brandenburg ein und verließ Deutschland zwei Tage vor dem gescheiterten Anschlag.
Die Vorbereitung des Anschlags halten die Ermittler für die Arbeit von Profis. Die Ausführung selbst schreiben sie sogenannten Low-Level-Agenten zu.
Die Bundesregierung schließt das russische Generalkonsulat in Bonn
Am 1. September machte die Bundesregierung Russland für den Angriff verantwortlich. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Außenminister Johann Wadephul traten dazu gemeinsam vor die Presse. Die eingesetzten Tatmittel seien der Regierung aus früheren hybriden Operationen Russlands und aus dessen Krieg in der Ukraine bekannt. Beteiligt gewesen seien Personen, die nach Dobrindts Worten „im Auftrag russischer staatlicher Stellen“ gehandelt hätten.
Als Reaktion schließt die Bundesregierung das russische Generalkonsulat in Bonn und das Russische Haus in Berlin. Die Einreisekontrollen für russische Staatsbürger werden verschärft, der Druck auf die sogenannte Schattenflotte soll steigen. Wadephul nannte das „eine erhebliche Einschränkung der russischen Möglichkeiten in Deutschland“. Dobrindt bezeichnete die Reaktion als „verhältnismäßig und besonnen, aber gleichermaßen entschlossen“. Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, kündigte an, Moskau werde „spiegelbildlich“ reagieren. Kremlsprecher Dmitri Peskow warf der Bundesregierung vor, keine Beweise vorgelegt zu haben. Präsident Wladimir Putin nannte die deutschen Schritte am 2. September einen schweren Fehler und griff Bundeskanzler Friedrich Merz persönlich an.
Für den Fund bei Merseburg fehlt die amtliche Bestätigung
Wie viele solcher Verstecke angelegt wurden, ist nicht bekannt. Wo genau die Stelle bei Merseburg liegt, hat die Zeitung nicht mitgeteilt. Der Generalbundesanwalt hat sich zu dem Fund nicht geäußert, das Bundeskriminalamt ebenso wenig. Die Ermittlungen dauern an.
Verwendete Quellen sind die Recherche von Christian Fuchs, Anne Hähnig, Hannah Knuth und Holger Stark in der „Zeit“ Nr. 38 vom 1. September 2026, die Pressemitteilung des Generalbundesanwalts vom 6. August 2026, die Recherche von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR vom 2. September 2026 sowie die Berichterstattung über die Erklärung der Bundesregierung vom 1. September 2026 und die Wiedergabe der Zeit-Recherche bei t-online vom 4. September 2026 sowie Berichte über Putins Reaktion vom 2. September 2026.
Transparenzhinweis. Dieser Beitrag ist am 5. September 2026 überarbeitet worden. Korrigiert wurde die Angabe, eine Frachtmaschine sei mit einer zweiten Drohne zusammengestoßen. Die Ermittler haben diesen Verdacht inzwischen fallen gelassen. Außerdem wurden Ortsangabe und Quellenangaben berichtigt.






