Zwei Lesungen in Merseburg erinnern an Novemberpogrome und hinterfragen Vorurteile

StadtgeflüsterZwei Lesungen in Merseburg erinnern an Novemberpogrome und hinterfragen Vorurteile

In den kommenden Wochen laden zwei Lesungen in Merseburg zur Auseinandersetzung mit Verfolgung und Vorurteilen ein. Am 7. November liest die deutsch-israelische Autorin Katharina Höftmann aus ihrem Roman „Ozean“, am 1. Dezember stellt der Bildungsreferent Mehmet Arbag den Essayband „Die Erfindung des muslimischen Anderen“ vor. Beide Abende sind Teil der HIER-Kampagne des Evangelischen Kirchenkreises Saale-Unstrut und des WIR-Festivals Halle.

Erste Lesung erinnert an die Novemberpogrome von 1938

Terminlich ist der Abend bewusst in die Nähe des 9. November gerückt, des Gedenktags an die Novemberpogrome von 1938. Höftmann, die als deutsch-israelische Autorin und Journalistin in Tel Aviv lebt, stellt ihren gerade im Diogenes Verlag erschienenen Roman „Ozean“ vor. Die Handlung beginnt 1932 in Berlin, wo die jungen Freundinnen Friedchen und Paula fest davon überzeugt sind, dass ihre Freundschaft ein Leben lang hält. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten gerät diese Gewissheit ins Wanken, denn Paula ist Jüdin und muss um ihre Zukunft bangen. Höftmann erzählt die Geschichte über ein ganzes Jahrhundert hinweg und zeigt, wie historische Einschnitte noch Generationen später nachwirken. Bekannt ist die Autorin bereits durch ihre Romane „Alef“ und „Frei“ sowie ihren Newsletter „Guten Morgen, Tel Aviv“.

Veranstaltet wird der Abend von der Partnerschaft für Demokratie Weltoffener Saalekreis, dem Jugendforum Demo Crazy und dem Evangelischen Kirchengemeindeverband Merseburg. Zugleich versteht sich die Lesung als kulturelles Gegenangebot zur Buchmesse „Seitenwechsel“, die am 7. und 8. November ebenfalls stattfindet. Im Anschluss bleibt Zeit für ein Gespräch mit der Autorin.

Los geht es am Samstag, 7. November, um 18 Uhr im Begegnungszentrum der Stadtkirche St. Maximi am Markt 35, Einlass ist ab 17.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, der Zugang barrierefrei.

Zweite Lesung geht antimuslimischen Klischees auf den Grund

Einen Monat später, am 1. Dezember, dreht sich der Abend um den Essayband „Die Erfindung des muslimischen Anderen“. Das Buch geht der Frage nach, woher gängige Bilder vom muslimischen Leben eigentlich stammen, von Kopftüchern über Gebetsteppiche und Barbershops bis zu Baklava, und wer sie prägt. Statt zu erklären, wie Musliminnen und Muslime angeblich sind, dreht der Essayband die gewohnte Perspektive um und fragt, wie antimuslimische Klischees entstehen und sich verbreiten. Die Beiträge sind wissenschaftlich fundiert, verständlich geschrieben und mitunter humorvoll. Vorgestellt wird der Band von Mehmet Arbag, der einige der Texte selbst verfasst hat. Der Politikwissenschaftler arbeitet als Bildungsreferent und Projektleiter beim Verband binationaler Familien und Partnerschaften in Leipzig und beschäftigt sich beruflich mit antimuslimischem Rassismus und rassismuskritischer Bildungsarbeit.

Es ist bereits die dritte gemeinsame Lesung mit ihm in Merseburg. Schon bei den früheren Terminen entwickelten sich aus zunächst zurückhaltenden Gesprächen offene Diskussionen, in denen Besucherinnen und Besucher eigene Vorstellungen hinterfragten und persönliche Erfahrungen teilten. Auch diesmal ist im Anschluss Raum für Fragen und Diskussion vorgesehen.

Beginn ist am Dienstag, 1. Dezember, um 18 Uhr in der Hälterstraße 30, Eingang über die Seite. Der Eintritt ist auch hier frei, der Veranstaltungsort ist allerdings nicht barrierefrei zugänglich. Organisiert wird der Abend von der Netzwerkstelle „Engagiert für Geflüchtete im Saalekreis“ des Evangelischen Kirchenkreises Saale-Unstrut, dem Verband binationaler Familien und Partnerschaften sowie der Partnerschaft für Demokratie Weltoffener Saalekreis.

Beide Abende stehen allen Interessierten offen

Beide Lesungen in Merseburg stehen allen Interessierten offen, Vorkenntnisse sind nicht nötig und der Eintritt ist jeweils kostenfrei. Eingebettet sind die Abende in die HIER-Kampagne des Evangelischen Kirchenkreises Saale-Unstrut und in das WIR-Festival Halle, das in diesem Herbst mit einem breiten Kulturprogramm ein Zeichen für Offenheit und demokratisches Miteinander setzen will.

Hat dir der Beitrag gefallen?

Wenn du magst, unterstütze meine Arbeit und hilf mir, weitere Inhalte für dich zu erstellen.

Danke für deine Wertschätzung!
0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet

Check out our other content

Check out other tags:

Most Popular Articles