Foto: Konzert von ralfP und Band © Enrico Sempert
Ehrlich, authentisch, nah dran. So beschreibt Ralf seinen eigenen Anspruch an seine Musik. Am Freitagabend brachte er ihn mit seiner Band im Schlossgraben auf die Bühne – vor rund 55 Gästen, wo einige so wie ich, zum ersten Mal dabei waren.
Merseburg, 11. Juli 2026 – Hinter dem Bühnenaufbau, eine Stunde vor dem Auftritt. Ralf sitzt am Tisch, entspannt, offen. Wir kannten uns bis dahin nur über Instagram, seit er mir irgendwann gefolgt war. Persönlich kennengelernt haben wir uns dort am gestrigen Abend.
Wir redeten das erste Mal von Angesicht zu Angesicht, ein lockeres Gespräch, nichts Vorbereitetes, und schon nach ein paar Sätzen ist klar, was ihn antreibt. Ich hatte mich in den Wochen davor in seine Musik hineingehört, sein Radiogespräch bei Saalewelle verfolgt und dann spontan angefragt, ob ich den Abend pressetechnisch begleiten dürfe. Er hatte sofort zugesagt.
Wie er seine Texte schreibt, wollte ich wissen. Ich hatte das übliche Bild eines Songwriters im Kopf – jemand sitzt allein in einem stillen Kämmerlein, und die Wörter finden aufs Papier. So sei das nicht, sagt Ralf und lacht. Die Struktur der Texte lege er selbst an, die Endfassung entstehe dann aber im Team. Ihm gehe es um Qualität. Einen Text zu schreiben sei das eine. Ihn zum Klingen zu bringen, das andere. Deshalb ist das ganze Team daran beteiligt.
Auf meinen Vergleich mit Udo Lindenberg reagiert Ralf mit Routine. Dass Leute bei seiner Musik an den Panik-Rocker denken, höre er oft. Er lacht. Mit Lindenberg habe seine Musik aber nichts zu tun.
Ein Abend, der sich nicht festlegen will
Um 19 Uhr öffnete der Schlossgraben dann seine Tore, die Reihen füllten sich daraufhin langsam. Ralf hatte sich inzwischen noch einmal zurück gezogen, um bei sich anzukommen. Dann ging es Punkt 20 Uhr los. Was folgte, wollte sich nicht festlegen. Rockige Nummern, ruhige Balladen, und dazwischen dieser eigene Ton – nah dran, unverstellt. Das Publikum ging bei beidem mit. Applaus nach jeder Nummer, mal lauter, mal leiser, aber immer da.
Und weil Lindenberg ohnehin im Raum stand, holten ralfP und Band den Panik-Rocker gleich zweimal mit ins Programm. „Sonderzug nach Pankow“ und, aus Lindenbergs Album „MTV Unplugged 2″ von 2018, „Wir ziehen in den Frieden“. Gänsehautmoment war garantiert.
Aber auch in der Pause blieb Udo präsent, aus den Boxen liefen weitere seiner Titel. Mir kam dabei eine lustige Idee – Ralf mit Udo zusammen auf der Bühne, das wäre sicher ein unvergessliches Ereignis.
Nach der Pause drehte die Band nochmal auf. Dabei stellte sie auch erste Lieder aus dem zweiten Album „Endorphine“ vor. Fertigstellen wolle Ralf das Werk im zweiten Halbjahr 2026, erscheinen soll es 2027. Ich bin schon sehr gespannt darauf.
Zum Schluss übernahm dann Gitarrist Gerry das Mikro. Mit gekonnten Wortwitz stellte er seine Bandkollegen vor, sichtlich vergnügt, nichts davon böse gemeint. Dabei bewunderte er immer die Haarpracht der anderen Kollegen, denn er selbst hat leider nicht mehr dieselbige.
Bayern in Merseburg und viele Erstbesucher
Nach dem Auftritt, habe ich mit einigen Gästen im Schlossgarten gesprochen. Die Texte seien sehr gut, hörte ich immer wieder. Besonders die Nummern, in denen Ralf danach fragt, warum die eigenen Eltern so waren, wie sie waren (Titel Heute kann ich es verstehn).
Eine Besucherin war aus Bayern angereist, sie war zu Besuch in Merseburg nutzte die Möglichkeit und besuchte spontan das Konzert. Sie und ihre Begleiterin hatten davon über Merseblatt erfahren sagte sie, nachdem sie mir eine PN über Facebook geschickt hatte. Ein toller Zufall, dass ich genau diese Dame im Schlossgarten getroffen habe. Jeder einzelne Musiker sei hervorragend, sagte sie, die Texte kämen aus dem Leben und seien nachvollziehbar.
Alle, mit denen ich sprach, waren zum ersten Mal bei einem ralfP-Konzert. Alle kündigten an, wiederzukommen und die Band weiterzuempfehlen.
An der Musik hatte niemand etwas auszusetzen. Aber die Werbung im Vorfeld, sagten mehrere, hätte besser sein können. Einige hätten erst kurzfristig vom Konzert erfahren – manche erst wie oben geschildert über Merseblatt.
Wer selbst einmal bei ralfP und Band reinhören will, kann das unter Youtube Music kostenfrei tun.






Hast du die Fotos selber geschossen? Sehen gut aus! 👍🏻😊
Ja, habe ich. Danke dir.