Foto: Einsatzfahrzeug des Ordnungsamtes der Stadt Merseburg © Enrico Sempert
Mehr Außendienst, neue Räume und ehrliche Worte über Personalprobleme – am Samstag öffnete die neue Stadtwache am Markt erstmals ihre Türen. Ein Besuch zwischen Blitzer-Parcours, Schutzwesten und überraschend offenen Antworten.
Merseburg, 11.04.2026 – Normalerweise gehen die meisten Merseburger am Markt 1 einfach vorbei. Am Samstagvormittag aber war alles anders. Die Tür stand offen, dahinter neue Räume, neue Gesichter und ein Ordnungsamt, das sich zeigen wollte. Zum ersten Mal lud die Stadt in ihre neue Stadtwache ein und wer kam, bekam nicht nur einen Rundgang, sondern auch überraschend offene Worte zu hören.
Neue Räume mit einem großen Plan dahinter
Herr Müller, Leiter der Stadtwache, führte die Besucherinnen und Besucher durch Flure, Büros, und Umkleiden. Seit März arbeitet das Sachgebiet Verkehrsüberwachung hier. Was zunächst wie ein simpler Umzug wirkt, ist der Anfang von etwas Größerem. Merseburg will mehr uniformierten Außendienst auf die Straße bringen. Elf Stellen sind dafür geschaffen wurden, aufgeteilt in vier Teams, die im Zwei-Schicht-System von 6 bis 22 Uhr arbeiten sollen. Eine Leitstelle wird ebenfalls parallel dazu aufgebaut, um die Einsätze zu koordinieren, denn auch der Innendienst soll mitwachsen.

Stadtwachenleiter Herr Müller bei der Vorstellung und Erläuterung © Enrico Sempert
So weit der Plan. Die Wirklichkeit sieht noch anders aus. Sechs der elf Stellen sind aktuell noch unbesetzt, und somit fehlt das Personal auch in der Leitstelle.
Die Frage, die im Raum stand
Es war Roland Striegel, Stadtratsmitglied von SPD/Bündnisgrüne, der aussprach, was er in dem Moment dachte. Man stecke viel Geld in die neue Stadtwache, sagte er. Was bekommen die Bürger dafür zurück? Die Antwort fiel ehrlicher aus, als mancher vielleicht erwartet hatte. Spürbar ändere sich zunächst wenig, hieß es dazu von Herrn Müller. Das gehöre zur Wahrheit dazu, sagte er. Es fehle momentan schlicht das Personal, um aktuell als Sicherheitsbehörde im Stadtbild wirklich noch mehr sichtbar zu sein. Ein regelmäßiger Außendienst lasse sich derzeit nicht abbilden. Man verschaffe sich zudem gerade erst einen Überblick, was nach 16 Uhr in Merseburg gebraucht werde.
Es war eine Ehrlichkeit, die man so von einer Behörde nicht alle Tage hört. Und doch schwang ein klares Ziel mit. Man wolle gesehen werden. Sichtbare Präsenz schaffen und mehr gefühlte Sicherheit erzeugen. In diesem Zusammenhang verwies man auch auf den Bürgermelder, über den Merseburger ihre Anliegen direkt an die Stadt und damit auch an das Ordnungsamt richten können.
Wer will, darf einsteigen
Die sechs offenen Stellen sollen kein Hindernis bleiben. Ideal sei aber eine Qualifikation als Verwaltungsfachangestellte/r mit Weiterqualifikation zum Verwaltungsvollzugsbeamten, aber auch Verwaltungsfachangestellte ohne die Weiterbildung und Quereinsteiger mit vergleichbarer Qualifikation sind willkommen.
Wem die praktische Erfahrung noch fehlt, der durchläuft eine zweijährige Ausbildung im Beruf, begleitet von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen und mit Prüfung am Ende.
Zwischen McDonald’s-Bechern und Schuttbergen
Amtsleiterin Frau Schulenberg nahm die Besucherinnen und Besucher dann mit in den Alltag des Ordnungsamtes. Dabei sprach sie über knappe Parkplätze, herrenlose Fahrzeuge und Müll an den falschen Stellen. Erste Verbesserungen bei den herrenlosen Fahrzeugen könne man aber bereits vermelden, auch wenn das Verfahren zäh sei. Halter müssen ermittelt, Fristen gesetzt, Gutachter eingeschaltet werden. Steht das Auto auf einem Privatgrundstück, wird es noch komplizierter, weil das Ordnungsamt dort nicht ohne Weiteres zuständig ist.
Als ein Besucher sich über herumliegende McDonald’s-Becher und Schuttablagerungen am Mersecenter als „Dauerbaustelle“ beschwerte, nickte mancher im Raum. Solche Hinweise nehme das Ordnungsamt auch unter ordnung@merseburg.de gerne entgegen, hieß es. Am besten immer mit Foto und kurzem Sachverhalt. Dann werde man dem auch nachgehen.
Michael Finger, Stadtratsmitglied von Die Linke, rückte das Bild dann ein wenig zurecht. Besucher der Stadt hätten ihm gegenüber gelobt, wie sauber und ordentlich Merseburg sei. Die Merseburger selbst sehen das allerdings ganz anders, räumte er mit einem Schmunzeln ein.
Zwölf Kilo am Körper, kein Name an der Brust
Wer wissen wollte, wie sich der Außendienst tatsächlich anfühlt, durfte die Schutzweste in die Hand nehmen. Zwölf Kilogramm, stich- und schusssicher. Stadtratsvorsitzender Michael Hayn (CDU) wollte es genau wissen und fühlen. Kurzerhand probierte er eine der Schutzwesten an.

Stadtratsvorsitzender Michael Hayn (CDU) bei der Anprobe der Schutzweste © Enrico Sempert
Pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter kostet die Ausstattung gut und gerne rund 3.500 Euro. Ein Namensschild sucht man an der Uniform jedoch vergeblich. Stattdessen hat jeder Beschäftigte eine Erkennungsnummer, die sich über den jeweiligen Vorgang zurückverfolgen lässt, denn da ist diese Nummer immer ablesbar.

Ausrüstungsgürtel der Beamten im Vollzugsdienst © Enrico Sempert
Auch hinter den Blitzer durften die Gäste schauen. Was passiert eigentlich mit dem Blitzerfoto? Wie wird das ausgewertet? All das wurde anschaulich erklärt. Damit ein Verstoß geahndet werden kann, muss der Fahrer auf dem Foto eindeutig erkennbar sein. Sollte etwas in das Bild hineinragen oder der Fahrer unkenntlich sein, ist das Foto im schlimmsten Falle nicht verwertbar und die Geschwindigkeitsübertretung kann erstmal nicht geahndet werden. Das ist aber kein Freibrief für Raser, denn es gäbe noch andere Ermittlungsmöglichkeiten z.B. über die Polizei. Die aktuelle Blitzer-Anlage die in Merseburg verwendet wird, kann in einer Fahrtrichtung bis zu vier Spuren gleichzeitig erfassen.

Eine Mitarbeiterin erklärt Stadtrat Michael Finger (Die Linke) die Auswertung der Blitzerfotos © Enrico Sempert
Was gehört in einen Notfallrucksack?
Neben der Stadtwache selbst gab es auf dem Markt noch einiges zu entdecken. Am Stand des Deutschen Roten Kreuzes, Fachdienst Sanität des Katastrophenschutzes Saalekreis, wurde es ganz praktisch. Wie viel Wasser braucht eine vierköpfige Familie für zehn Tage? Was sind Einmannpackungen? Und was gehört wirklich in einen Notfallrucksack? Gezeigt wurden unter anderem ein Taschenmesser, Verbandszeug und ein solarbetriebenes Handradio mit Kurbelfunktion. Eine Minute drehen erzeugt dabei rund vier Minuten Strom für den Radioempfang. Wer wollte, konnte außerdem einen Rettungswagen von innen besichtigen und sich alles erklären lassen.

Ausstattung eines Helfers im Katastrophenschutz daneben Wasservorrat für 10 Tage a 4 Personen © Enrico Sempert
Darüber hinaus war die Freiwillige Feuerwehr Merseburg mit Fahrzeugen und einem Wasserspiel, bei dem man mit einem Wasserschlauch auf Büchsen zielen musste vor Ort.
Für das leibliche Wohl sorgte Geiseltal Event – ein rundum gelungener Vormittag der einige Merseburger anlockte und einmal hinter die Kulissen schauen lies.
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Wenn man Mitarbeiter sucht, sollte man Stellenausschreibungen veröffentlichen. Auf der Seite der Stadt Merseburg ist nichts verzeichnet. Der Bürgermelder wird nicht bearbeitet.
Hallo, danke für deinen Kommentar. Die Ausschreibungen für die Stellen kommen noch. Das sagte man mir gestern, bei dem Rundgang.