Foto: Rehe auf dem Feld in Freiimfelde © Bürgerinitiative „Natur statt Solarpark am Wohnviertel“
Nach der Ruhendstellung des Bebauungsplanverfahrens durch den Merseburger Stadtrat hält sich EnBW beim Solarpark Merseburg-Nord weiter bedeckt. Das Unternehmen prüft intern, ob und in welcher Form das Vorhaben weiterverfolgt wird – und spricht zugleich über mögliche Alternativflächen.
Merseburg, 20.03.2026 – Ist der geplante Solarpark im Norden Merseburgs nach dem Stadtratsbeschluss vom Tisch? Ganz so eindeutig ist die Lage offenbar nicht. Zwar hat der Stadtrat die Ruhendstellung des Bebauungsplanverfahrens bestätigt. Der Investor EnBW will sich aber noch nicht festlegen, wie es nun weitergeht.
Auf Anfrage von Merseblatt teilte eine Sprecherin der EnBW mit, man nehme die Entscheidung des Merseburger Stadtrates zur Kenntnis. Solche Entwicklungen gehörten zum Alltag, da das Unternehmen bundesweit zahlreiche Projekte in unterschiedlichen Planungsphasen begleite. Derzeit werde intern geprüft, ob und in welcher Form das Vorhaben weitergeführt werde.
Damit bleibt unklar, ob EnBW den bisherigen Standort weiter im Blick behält oder sich am Ende auf andere Flächen konzentriert.
Stadtrat hatte Verfahren ausgesetzt
Hintergrund ist die Entscheidung des Merseburger Stadtrates vom 5. März 2026. Das Gremium bestätigte an diesem Abend die bereits im Hauptausschuss vorbereitete Ruhendstellung des Verfahrens zum Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 70 „Sondergebiet Solarpark Merseburg Nord“. Zuvor hatte sich bereits der Hauptausschuss für diesen Weg ausgesprochen.
Die Initiative dazu war aus den Fraktionen von CDU, SPD/Bündnisgrüne, Die Linke und FDP gekommen. Ziel ist es, die Entwicklung des betroffenen Areals noch einmal neu zu bewerten und zu prüfen, ob es andere Möglichkeiten für die Nutzung gibt. Bis zum 25. August soll die Verwaltung dazu Ergebnisse vorlegen.
Dem Beschluss war eine monatelange Debatte vorausgegangen. Schon im November 2025 hatte der geplante Solarpark im Bauausschuss für ungewöhnlich großes Interesse gesorgt. Später folgten eine Bürgerinformationsveranstaltung mit dem Investor, ein offener Brief von Anwohnern, Gespräche mit Fraktionen und dem Oberbürgermeister sowie anhaltender Protest aus Freiimfelde.
Bürgerprotest zeigte Wirkung
Vor allem Anwohner aus Freiimfelde hatten sich immer wieder gegen die Pläne ausgesprochen. Sie kritisierten unter anderem die Nähe zur Wohnbebauung, den Verlust landwirtschaftlicher Nutzfläche und die Auswirkungen auf das Ortsbild. Bei mehreren Sitzungen und Veranstaltungen war die Beteiligung groß, auch im Stadtrat verfolgten zuletzt wieder zahlreiche Bürger die Debatte.
Dass das Verfahren nun zunächst nicht weitergeführt wird, werten viele Anwohner als wichtiges Signal. Zugleich ist klar: Eine endgültige Entscheidung über die künftige Nutzung des Areals ist damit noch nicht gefallen.
EnBW prüft auch andere Flächen
Interessant ist vor allem ein weiterer Punkt aus der Stellungnahme des Unternehmens. Nach Angaben der EnBW bleibt man mit der Stadt im Austausch, um mögliche Alternativflächen für Photovoltaik zu prüfen. Das deutet darauf hin, dass das Unternehmen den Ausbau erneuerbarer Energien in Merseburg grundsätzlich nicht aufgeben will, beim bisherigen Standort aber noch keine abschließende Entscheidung getroffen hat.
Aus der Antwort geht allerdings nicht hervor, ob EnBW den Standort in Merseburg-Nord parallel weiter als Option betrachtet oder sich tatsächlich auf andere Flächen konzentriert. Das bleibt abzuwarten.
Debatte noch nicht beendet
Damit bleibt die Lage vorerst offen. Politisch ist das Verfahren zum Solarpark Merseburg-Nord gestoppt. Ob und in welcher Form das Thema erneut auf die Tagesordnung kommt, hängt nun von der internen Prüfung bei EnBW und den angekündigten Ergebnissen der Stadt ab.
Für die Bürger in Freiimfelde bedeutet das: Der Beschluss des Stadtrates war ein Erfolg für den Protest, beendet ist die Debatte um den Standort aber noch nicht.


















