Foto: Vorstellung der Machbarkeitsstudie zum Neubau der Schwimmhalle Merseburg im Alten Rathaus © Enrico Sempert
Wie es mit der Schwimmhalle in Merseburg weitergeht, wird immer dringlicher. Eine Studie zeigt nun, wie ein Neubau aussehen könnte – und was er kosten würde.
Merseburg, 25.03.2026 – Wie lange hält die alte Schwimmhalle überhaupt noch durch? Diese Frage stand am Dienstagabend unausgesprochen im Raum, als im Alten Rathaus die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie für einen Neubau vorgestellt wurden.
Denn nach Angaben von Oberbürgermeister Sebastian Müller-Bahr (CDU) ist der Zustand der bestehenden Schwimmhalle in der Leunaer Str. 38 desaströs. Ein Weiterbetrieb sei gefährdet, im Extremfall drohe sogar eine kurzfristige Schließung. Zu diesem Schluss kommt das kürzlich durchgeführte Gutachten der Halle.
Studie zeigt steigenden Bedarf
Vor diesem Hintergrund bekam die Präsentation eine besondere Dringlichkeit. Punkt 18 Uhr stellten Vertreter der Bauconzept Planungsgesellschaft aus Lichtenstein in Sachsen und der GMF GmbH & Co. KG aus München ihre Ergebnisse vor. Nach einer kurzen Einführung ging es schnell in die inhaltlichen Details.
Ein zentrales Ergebnis der Studie: Der Bedarf ist da – und er wächst. Vor allem beim Schwimmenlernen und im Bereich Gesundheit sehen die Planer eine steigende Nachfrage. Insgesamt wurden acht mögliche Standorte geprüft. Den meisten Zuspruch erhielt das Grundstück im Dreieck zwischen Lauchstädter Straße, Wilhelm-Liebknecht-Straße und Rainer-Zille-Straße, vor allem wegen seiner Lage und guten Erreichbarkeit mit ÖPNV, Fahrrad und Auto. Auf dem Grundstück befand sich früher das Hotel „Drei Schwäne“.
So könnte die neue Halle aussehen
Auch zur konkreten Ausgestaltung der neuen Halle gab es am Abend bereits recht klare Vorstellungen. Geplant ist ein Sportbecken mit sechs Bahnen, jeweils 2,50 Meter breit. Auf der Seite der Startblöcke soll die Wassertiefe zwei Meter betragen und dann auf bis zu 3,50 Meter abfallen. Ergänzt werden soll das Angebot durch ein Nichtschwimmer / Planschbecken für Kinder mit einer Tiefe zwischen 90 Zentimetern und 1,35 Metern.

Darüber hinaus ist in der Planung eine Textilsauna vorgesehen, die über ein eigenes Drehkreuz aus der Halle erreichbar wäre. Ob und in welcher Größe sowie Ausstattung die Sauna umgesetzt wird, ist noch offen. Auch bei der Wasseraufbereitung gibt es noch keine endgültige Entscheidung. Nach den Ausführungen der Planer gilt eine Chlorung derzeit als wahrscheinlichste Variante. Eben weil diese die stabilsten Ergebnisse liefere.
Auch die Parkplatzsituation spielte eine Rolle. Hinter der geplanten Schwimmhalle sind derzeit rund 25 Stellplätze vorgesehen. Dabei handelt es sich jedoch zunächst nur um eine Annahme aus der Studie – die konkrete Anzahl kann sich im weiteren Verfahren noch ändern.
Kein Außenbecken und wohl kein Sprungturm
Klarer fiel die Antwort auf andere Fragen aus. Ein Außenbecken wird es nicht geben. Auf Nachfrage machte Müller-Bahr deutlich, dass es sich um eine reine Sport- und Lernschwimmhalle handeln soll. Auch ein Sprungturm ist nach aktuellem Stand nicht vorgesehen. Die Gründe liegen vor allem in den Kosten und im laufenden Betrieb: Für einen Sprungturm müssten regelmäßig Bahnen gesperrt werden, zudem würde ein tieferes Becken den Energiebedarf deutlich erhöhen. Mehr Wasser, mehr Heizkosten – das alles sei im Betrieb schlicht nicht darstellbar.
Kosten und Betrieb bleiben Herausforderung
Bei den Zahlen wird das Projekt greifbar – und zugleich anspruchsvoll. Im Fazit der Studie wird von Baukosten in Höhe von 25,8 Millionen Euro ausgegangen. Die bebaute Fläche liegt bei rund 3.000 Quadratmetern. Für Zusatzangebote wie eine Sauna werden die Kosten unterschiedlich beziffert und angesetzt: knapp eine Million Euro für eine kleine Variante, rund 1,8 Millionen Euro für eine größere.

Die Studie geht für den Neubau von rund 114.000 Besuchen im Jahr aus, inklusive Schulen und Vereine. Dennoch wird die Halle voraussichtlich nicht kostendeckend betrieben werden können. Nach den vorgestellten Berechnungen müsste die Stadt jährlich rund 500.000 Euro zuschießen. Als mögliches Betreibermodell wird daher eine Lösung über die Stadtwerke und oder eine kommunale Gesellschaft gesehen.
Langer Weg bis zur Fertigstellung
Bis aus den Plänen tatsächlich ein Bau wird, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Allein für Planung und Verfahren sind mehrere Schritte vorgesehen: sechs Monate für die europaweite Ausschreibung, sieben Monate für die Entwurfsplanung, drei Monate für die Genehmigungsplanung und weitere sechs Monate für die Ausführungsplanung. Die eigentliche Bauzeit wird mit rund zwei Jahren angesetzt.
Wenn alles nach Plan läuft, könnte im Juli 2028 Baubeginn sein. Als mögliches Fertigstellungsdatum wurde Oktober 2030 genannt.
Doch genau dieser Zeitplan zeigt auch das Dilemma. Fördermittel sind bislang nicht gesichert, gleichzeitig wächst der Druck durch den Zustand der bestehenden Schwimmhalle.
Die Stadt will dennoch in die Vorbereitung gehen. „Das Bauziel ist ambitioniert“, räumte Müller-Bahr selbst ein. Klar ist nach diesem Abend vor allem eines: Viel Spielraum bleibt Merseburg bei diesem Thema offenbar nicht mehr.



















































